Melvins

»Hostile Ambient Takeover«, »Millenium Monsterwork«

Ipecac

Das achtzehnte Album der Melvins könnte ihr bestes sein. Die sind auch durch Gott weiß welche Scheiße gewatet, um ihre Vision aufrechterhalten zu können. »Hostile Ambient Takeover« vermittelt den Eindruck einer Band, die sich der Last bewusst ist, die letzten nennenswerten Vertreter in Sachen psychotischen Heavy-Rocks zu sein. Wobei das Psycho-Element diesmal besonders reizvoll ausgefallen ist und den Leitfaden durch den sich permanent verlangsamenden und heavier werdenden Tonträger zieht. Das rhythmisch hochdynamische Spiel des Trios ist allein bei »Dr.Geek« Grund genug zum Jubel. Der Song bringt auch für Melvins eine neue Leichtigkeit an den Tag und erinnert an einen nie da gewesenen Cross aus Minutemen und Germs. Leider sind sie wirklich die letzte Band, die so etwas zu Wege bringt. Schwere Mosher sind ebenso vertreten, wie genüsslich zerdehnte Elegien zum Thema Brain Damage. Den Abschluss bildet ein viertelstündiger Song, der wie Treibsand für die Ohren wirkt; ein restloses Versinken ist garantiert. Kein Ausweg.
»Millenium Monsterwork« ist der Livemitschnitt der Silvestershow 2000, die von den Melvins gemeinsam mit Fantomas bestritten wurde. Wie das bei solchen Dokumenten halt so ist, stellt das eher ein Zuckerl für die Fans dar, denn eine wirkliche Bereicherung im Kanon beider Bands. Das »Monster« im Titel dürfte sich auf die Heidenarbeit beziehen, die die Musiker für diese einmalige Aufgabe auf sich genommen haben. Es gibt nämlich hier meines Wissens fast nur neue Songs, die mit halsbrecherischer Virtuosität (lässt an Naked Citys »Torture Garden« denken) von der Bühne gebrettert werden. Wer die Pattonsche Vokalsspielchen schätzt, wird nicht enttäuscht sein. Mir ist es zu viel des Guten, aber das soll nichts heißen. Eindrucksvoll ist das allemal.