Tomte

Hinter all diesen Fenstern

Grand Hotel Van Cleef

Blutjung sind Tomte nicht mehr. Und das ist gut so. Sie wissen um die Bedeutungslosigkeit und Flüchtigkeit der eigenen Existenz Bescheid, was aber nicht in Frustration münden muss: »Es liegt alles offen vor dir«, singt Thees Uhlmann in »Schreit den Namen meiner Mutter«: obwohl wir 30 aufwärts sind, haben wir noch alle Möglichkeiten. Dass Uhlmann bekennender Tocotronic-Fan ist, hört man sofort, wenn Tomte auch eher an den frühen Alben orientiert sind und ihnen stilistische Komplexität ein wenig abgeht. Ab und zu besinnt man sich – als Hamburger Schüler unausweichlich – auf die eigene Punk-Vergangenheit. Überhaupt scheinen Tomte alles, was gut und deutsch ist, zu vereinen: Da sind die Hymnen zum Mitgrölen (Sportfreunde Stiller), die Rhythmen von Element of Crime und die Gitarren von Blumfeld. Glücklicherweise lassen Tomte das beinahe unerträgliche, vermutlich ironiefreie Pathos von Blumfeld aus. Dennoch: angenehm eingängige Melodien, schöne Gitarrenläufe, ab und zu witzige Einfälle wie die Trompete in der letzten Nummer – ein gelungenes, unprätentiöses Album, ideal für verkaterte Regentage.