Candelilla

»Heart Mutter«

Zick Zack

Der Besuch in Steve Albinis Studio in Chicago hat sich für Candelilla schon allein wegen der guten PR gelohnt. Denn er sicherte der Münchner Band Land auf, Land ab jede Menge Aufmerksamkeit. Eine, die sie zwar fraglos auch ohne die Pixies-, Nirvana-, etc.-Produzentenlegende verdient, vielleicht aber nicht bekommen hätte. Das mit Sicherheit nicht gerade billige Unterfangen beweißt auch, wie ernst es das Quartett mit ihrem mal sperrigen, mal harmonischen Amalgam aus Post-Punk, Noise und Diskursrock meint. Schließlich geht es ihnen darum, zu einem irgendwie noch authentischen Punkt ihrer selbst und der Band vorzudringen. Dabei servieren sie uns keineswegs den tausendfach aufgegossenen Etikettenschwindel all der verzerrten Gitarren, schweißtriefenden Bässe und rasenden Schlagzeug-Sticks, auf denen in Großbuchstaben »Ich bin echt!« geschrieben steht. Ja, auch Candelilla schreien und skandieren sich zuweilen die Seele aus dem Leib, lassen sich hier und da auf ein Rockbrett ein, das keine Gefangenen macht. Aber immer dann, wenn die Headbanger im Publikum gerade loslegen wollen, schlagen die schlicht durchnummerierten Songs eine neue Richtung ein. Und auch in den Texten regiert König Bruch: Immer wieder wandert das Mikro zwischen den drei Sängerinnen umher, wechselt die Sprache vom Deutschen ins Englische und zurück. Wen all das nicht vom Hocker reißt, dem könnte man die erstklassige Produktion von Steve Albini ans Herz legen. Aber Candelilla haben so etwas überhaupt nicht nötig.