Haley Heynderickx © Klaus Totzler

Haley Heynderickx verzaubert das Haus der Musik

Wenn man der Musikerin aus Portland lauscht, merkt man nicht mal, wenn der Stuhl brennt, auf dem man sitzt. Wirklich. Kurzer Eindruck der Sold-out-Show des Jahres.

Da kann man tatsächlich mal ein wenig süßlich und hochtrabend werden. Haley Heynderickx, begnadete Musikerin und nicht zum ersten Mal in Wien, ist etwas Besonderes. Auf dem Blue Bird Festival als »Blues Folk Artist« bezeichnet, meint sie entschuldigend: »I still like Bob Dylan, but now I’m more into his electric phase.« »Judas!« möchte man rufen, doch zynische Witze passen irgendwie nicht so ganz hinein in diese Atmosphäre. Außerdem: Haleys elektrische Gitarre gibt ihrem Sound gerade das gewisse Etwas, das die äußerst »positiven« Vibes ihres Gesangs, ihr stets bis zum Himmel strahlendes Lächeln passend kontrastiert, Tiefe verleiht.

»Doom-Folk« nennt Haley Heynderickx selbst, was sie tut. Wegen der Geschichten, die sie zwischendurch und in ihren Songs erzählt. Beispielsweise im Song »Fish Eyes«, in dem sie die dramatische Geschichte ihrer Eltern, einer Philippinin und eines Amerikaners in Hongkong, erzählt. Unfähig, das Date mit Fischkopfsuppe ordentlich zu handeln, pult sie die Augen aus den Köpfen und schlurpt sie rasch herunter. Oder die Geschichte über ihre Mitbewohnerin, welche Haley in einem Lied verewigt. Ein Höhepunkt: Das Cover des Townes-Van-Zandt-Klassikers »Don’t you take it too bad«. Düster, melancholisch. Doch ihrer einnehmenden Art wegen merkt man kaum, wie die Stimmung schwankt, und lässt sich mit dem nächsten Stück gleich wieder aus dem Loch herausholen. Es ist ihre subtile Beobachtungsgabe, ihr gefühlvolles Interesse an Mitmenschen, das Haleys Aura ausmacht. Und man hört genau zu, man kann gar nicht anders. Die Stimmung ist angenehm gespannt und vor allem der liebevolle Umgang mit dem Publikum, der Austausch, die Dankbarkeit über die Aufmerksamkeit machen das zu einem äußerst intimen Erlebnis, gar nicht mal Hippie-esk, wie man jetzt vielleicht befürchten könnte.

Über den bluminösen Titel ihres ersten Albums »I Need to Start a Garden« (2018, Mama Garden) ist Haley Heynderickx sich selbst bestens bewusst, witzelt darüber. Und ihre Stimme hat was von der frühen Joni Mitchell, nämlich dieses Sanfte, aber äußerst Kräftige. Unprätentiös cool. Unterstützt wird sie bei ihrem Auftritt von zwei Musikern: einem sichtlich aufgeregten Bassisten (Leihgabe von Voodoo Jürgens’ Kapelle) und einem unaufgeregt hintergründig spielenden Schlagzeuger. Perfekte Unterstützung, genau das, was ihre Songs brauchen, genau an den richtigen Stellen.

Link: https://www.haley-heynderickx.com/