Gewalt beim Waves Vienna 2018 © Andreas Gailer

Gewalt im WUK – ein Kurzporträt gelebter Selbstüberschätzung

Die Band Gewalt will mit aller Kraft zum Kern des Seins vorstoßen. Was auch immer das bedeutet. Ironiefrei und laut enttäuschten sie die Fans, die seit bald 20 Jahren versuchen, wieder zu relevanter Musik von Patrick Wagner vorzudringen.

Patrick Wagner, der zum Millenniumswechsel noch mit seiner Band Surrogat durch äußert energiegeladene Musik auf sich aufmerksam machte und gefeiert wurde, tritt nun seit einiger Zeit mit der Band Gewalt auf die Bühne. So auch am Samstag, dem 29. September 2018 im Wiener WUK anlässlich des Waves Vienna, eines Festivals, das zu großen Teilen der Bekanntmachung gut verkäuflicher Nah-eh-Musik dient. Also hauptsächlich Bands, bei deren Musik man sich denkt: »Na eh«.

Gewalt, das heißt Verweigerung des Dialogs. Wenn man nicht mehr reden kann (oder will), dann nutzt man in letzter Konsequenz Gewalt zur Durchsetzung des eigenen Willens. Wenn einem die übliche Kommunikation nicht mehr möglich ist, dann sucht man sich andere Formen, wird lauter, heftiger, aggressiver. Gewalt heißt im Falle der Band Wagners aber auch: Verweigerung üblicher Verwertungsformen durch die Musikindustrie, und daher gibt es wohl auch bloß EPs oder Singles und keine ganzen Alben des Trios mit Helen Henfling an der Gitarre und Yelka Wehmeier am Bass (zurzeit vertreten durch Samira Zahidi). Man will nicht unterhalten, man will nicht schön sein, man will nicht gut klingen, man will mit aller Gewalt Wahrheit, Tiefe, Ausdruck auf die Bühne bringen. Denn alles ist so unfassbar fucked-up!

Tatü, tata, Gewalt sind da
Zu Beginn des Konzerts hat die Band deshalb ein Blaulicht mitten auf die Bühne gestellt, um auf sich aufmerksam zu machen. Wow! Um überhaupt was vom Konzert zu sehen, braucht es immer einen Doofen, der vorne steht, dessen Kopf man durch nervenaufreibendes Hin-und-her-Wippen immer genau so ins Blickfeld bewegen muss, dass er dieses penetrante, bedeutungsschwangere, hässliche Licht versperrt. Und dann: Erstmal viel zu lange laute, einprogrammierte Drums und Knallerbass. Dann auch noch Gitarrengeschrebbel. Und das alles hört nie auf, befürchtet man, so musikalisch uninteressant es ist. Dann der kürzlich veröffentlichte Track »Guter Junge/Böser Junge«. Das ist kompromisslos, radikal, immens … und unerträglich fad. Der nächste Song mit Drum-Machine, die eins zu eins von Nine Inch Nails kopiert zu sein scheint. Nach drei Songs Konzertabbruch durch Team skug.

Es geht Gewalt offensichtlich nicht um Musikalität, Stil oder andere weltliche Dinge, die mit dem Publikum zu tun haben, die sich dem Theater, den bedeutungsschweren, plumpen Pop-Phrasen aussetzen. Es geht ihnen vielmehr darum, die Verdichtung der Unmöglichkeit und Unentrinnbarkeit unserer Existenz darzustellen. Na eh.