Plastic Palace People

»FromThe Host Of Late-Comers«

Streamline

Zwei alte Bekannte : Jim O’Rourke, der orientierungssichere Wanderer zwischen allen musikalischen Welten einerseits und Christoph Heemann, von O’Rourke einst hofiert, der ewige Geheimtipp, nicht genug bekannt seit mindestens Hirsche Nichts Aufs Sofa. Zwei Alben mit dem Titel »Plastic Palace People« (Vol. 1&2) haben die beiden bereits 2011 miteinander veröffentlicht, nun heißt das Duo ebenso und das neue Album »From The Host Of Late-Comers«. Das nimmt sich musikalisch nicht sehr viel anders aus, als die beiden Vorgänger – aber das erwartet auch niemand. Die Musik kann formal irgendwo zwischen den Polen Ambient und Musique Concrète verortet werden, und mit der trockenen Beschreibung mag eine sehr eingeschränkte Erwartungshaltung einhergehen (siehe hierzu Curt Cuisines Kolumnen). Doch gerade weil heute die Produktion von Soundcollagen in jedem Schlafzimmer und mit einem Computer und darüber hinaus nur wenig technischem Aufwand prinzipiell möglich ist, ist es nicht nur wichtig die Spreu vom Weizen zu trennen sondern ebenso erfreulich, dass Leute unbeeindruckt und unbeirrbar einfach weiter machen. Warum? Weil sie es »können«, wie der junge Mensch auf der Straße heute nonchalant sagt, und diese Live-Aufnahme, aufgenommen 2013 im japanischen Super Deluxe, unter Beweis stellt. Es lässt sich nicht nachvollziehen und ist auch nicht dokumentiert, wer von den beiden welche Klangquellen bedient hat, es ist aber auch egal. Entscheidend ist, dass der dichte, niemals überladene Klangteppich von der ersten Minute an einnimmt. Es rauscht, gluckert, brummt, zischt, flirrt und fiepst, und spätestens wenn hier ein paar gezupfte Noten aus dem Mix in den Vordergrund treten wird deutlich, wie wunderbar O’Rourke und Heemann die Balance zwischen Aleatorik und Absicht gestalten. Feingliedrig und üppig zugleich wächst die Musik mit der Zeit und nimmt sich Zeit immer wieder abzuklingen und anzuschwellen. Wiederholt an Naturgeräusche erinnernde Sounds (eingespielte Field-Recordings oder nicht?) lassen »From The Host Of Late-Comers«als eine beinahe organisch zu nennende Musik erscheinen, eine zu keinem Moment langweilige elektro-akustische Momentaufnahme aus der Zusammenarbeit von zwei Künstlern, die gestern schon da waren, heute irgendwo beschäftigt sind, und morgen wiederkommen. Gut zu wissen.