Luko

»For Keeping You Alive«

Eigenvertrieb

Willkommen in Bristol, 1994: Das Münchener Duo LUKO hat mit seiner Debüt-EP eine Zeitmaschine gebaut, mit der es punktgenau im Goldenen Zeitalter des Triphop gelandet ist. Produzent Provo hat sich mit seinen jazzigen, düsteren Beats schon lange einen Namen in der Münchener Hip Hop-Szene gemacht. Für LUKO entschleunigt und entschlackt er seine Produktionen konsequent weiter. Sängerin Tahnee Matthiessen kennt man bisher höchstens von einer ersten Kollaboration mit Provo auf der 2013er-Compilation »Monaco Moll«. Mit gerade einmal 21 Jahren singt sie aber so vernuschelt-gefühlvoll und erschöpft-distanziert, dass man meint, sie ziehe schon seit Jahren mit irgendwelchen Jazz-Combos durchs Land. Und auch ihre meist bildlichen und trotzdem vagen Texte scheinen die Weisheit eines langen Lebens zu sprechen: Ungeachtet der rauchverhangenen, verdrogten Stimmung, die Matthiessens Gesang, die trägen Beats und das sparsame Klavier der meisten der insgesamt sechs Songs erzeugen, warnt Matthiessen vor Apathie und Leichtgläubigkeit. Und doch: Den schalen Retro-Beigeschmack wird man beim Hören nie so richtig los. Die beiden stärksten Songs »Good or Bad« und »Kissed by the Sun« schleichen ganz nah um Portisheads »Glory Box« und Trickys »Hell Is Round the Corner« herum, die ja beide Isaac Hayes‘ »Ike’s Rap II« sampeln. Zwar zitieren LUKO weder das Sample noch die Songs, trotzdem erwecken sie dabei die Glätte einer perfekten Imitation. Nachahmen können sie, das beweisen LUKO eindrucksvoll. Spannender wird aber die Frage, ob sie sich beim nächsten Mal auch genauso gekonnt von ihren Vorbildern emanzipieren wollen und können.


Live:
26.08.2014 Theatron Open Air – Olympiapark München