Festivaltagebuch 29. 10. / Tag 12 - Abschlussgala

Reviews: »Must read after my death«, »My Winnipeg« / Shortcuts: »Waltz with bashir«

»Must read after my death«
Eine scheinbar typische Mittelklassefamilie in einem amerikanischen Vorort Hartford. Charles und Allis haben vier Kinder: Anne, Chuck, Bruce und Douglas. Charly ist beruflich viel unterwegs. Nach außen hin repräsentieren sie eine perfekte Familie, in Wirklichkeit jedoch pflegt das Ehepaar einen recht unkonventionellen Lebensstil, der sich nicht mit den Wertevorstellung der Gesellschaft in Einklang bringen lässt. Langsam offenbaren sich Probleme, die bereits unter der Oberfläche lauerten.
Die Familie beschließt professionelle Hilfe anzunehmen. Es folgen intensive Psychotherapien und psychiatrische Behandlungen der zunehmend dysfunktionalen Familie. Das Drama nimmt unausweichlich seinen bitteren Lauf. Als Allis 2001 stirbt findet man in ihrem Haus 300 Seiten Transkripte, 50 Stunden Audioaufnahmen und 201 Homemovies. Daraus montiert der bisher ahnungslose Enkel Morgan Dews diesen faszinierenden Film.
Man fühlt sich ein wenig an die Vorgangsweise von »Capturing the Friedmans« erinnert. Ein verstörender Film, der die scheinbare Idylle einer heilen amerikanischen Familie radikal in Frage stellt und sich auf die Suche nach einem düsteren Geheimnis begibt.
Heute um 21:00 in der Urania

»My Winnipeg«
Der renommierte Experimentalfilmemacher Guy Maddin legt hiermit eine Auftragsarbeit für einen kanadischen TV-Sender vor. Was ein Dokumentarfilm hätte werden sollen, entpuppt sich als poetische Hommage an seine Heimatstadt Winnipeg. Jener kanadischen Industriestadt, die vier Jahre jünger ist, als die Großmutter des Regisseurs. Faktisches vermischt er mit Bildern, Anekdoten aus seiner Kindheit, Found-Footage-Bildern, surrealen Sequenzen und inszenierten Einstellungen, wo er Szenen einer Familie nachstellen lässt; seine Mutter, eine ehemalige Schauspielerin besteht darauf, auch die Rolle der Filmmutter zu übernehmen. Assoziativ schafft er somit ein Bild von Winnipeg zwischen historischen Tatsachen und autobiographischen Erinnerungen, die nicht immer der Wahrheit zu entsprechen vermögen.
Heute um 18:30 im Metro.

Shortcuts:
»Waltz with Bashir«
Mit diesem israelischen Film beschließt die Viennale das heurige Festival. So ganz unglücklich ist man damit nicht, immerhin waren es anstrengende 12-13 Tage und ein bisschen Ruhe und Erholung kann nicht schaden. Zum anderen beschert uns Ari Folman einen durchaus würdigen Abschlussfilm. Dieser »dokumentarische Animationsfilm« befasst sich mit dem ersten Libanon-Krieg Israels.
Heute um 23:00 im Gartenbaukino.