Festivaltagebuch 21. 10. / Tag 4

Reviews: »Momma’s Man«, »Sonic Youth: Sleeping Nights Awake« / Shortcuts: »In die Welt«, »Austrian shorts« / Events: Filmgespräch: Tabu und Propaganda in Israel

»Momma’s Man«
Mickey, ein Mann in seinen 30ern, besucht seine Eltern in New York. Eigentlich sollte es nur ein kurzer Zwischenstopp werden, aber irgendetwas hindert den Mann zu seiner Frau und seinem Baby nach Kalifornien zurückzukehren. Mickey nistet sich wieder zu Hause ein, er wird immer regressiver. Er durchstöbert seine alten Sachen, alte Verhaltensmuster setzen wieder ein.
Die Anrufe seiner Freunde und Familie ignoriert er, stattdessen greift er wie ein Teenager spät nachts zur Gitarre und nervt seine liebevollen und zunächst sehr geduldigen Eltern. »Ein Portrait eines jungen Mannes, der absolut nichts mit sich anzufangen weiß«. Der Regisseur Azazel Jacobs realisert diesen Film im New Yorker Loft, in dem er selbst groß geworden ist. Ein Heim, vollgestopft mit Büchern, Leinwänden und allem möglichen Kram.
Jacobs Eltern, der Avantegardefilmemacher Ken Jacobs und die Künstlerin Flo Jacobs spielen auch Mickey’s Eltern. Ein feiner Independentfilm, den man nicht missen sollte.
Heute um 18:00 im Gartenbaukino

»Sonic Youth: Sleeping Nights Awake«
Der Film porträtiert eine der bedeutendsten amerikanischen Avantgarde-Bands der Gegenwart, die ihre Wurzeln in der No-Wave Szene in New York haben. Der Film zeigt ein Konzert der Band am 4. Juli in Reno/Nevada. Sieben Jugendliche, die im Rahmen eines Workshops die Grundzüge des Filmemachens erlernen, fangen mit Digitalkameras ausgestattet die Show in Schwarz-Weiß-Bildern ein. Interviewsequenzen, ebenfalls geführt von den Jugendlichen, komplimentieren den Film.
So erfahren wir unter anderem von Thurston Moores Lieblingspizza, oder den Geschichten der Tourbegleiter. Auch die Fans werden interviewt. Aber hauptsächlich sehen und hören wir die großartigen, live dargebotenen Stücke von Sonic Youth.
Heute um 13.30 in der Urania

Shortcuts:
»Austrian Shorts«
In diesem Programm versammeln sich neun aktuelle österreichische experimentelle Arbeiten. U.a. darf man sich auf den neuen Film von Siegfried A. Fruhauf freuen, wo er sich die frühe Videotechnik zu gute macht und Ameisen im weißen Bilderrauschen herumkrabbeln.
Heute um 20:30 im Stadtkino

Events:
Auffällig ist der hohe Anteil israelischer Arbeiten bei der heurigen Viennale. Mehrere Filme setzen sich vielfältig mit dem israelischen Militär auseinander. Roee Rosen, Ari Libsker und Yoav Shamir stehen heute um 19:00 für ein Filmgespräch zur Verfügung.