Léonore Boulanger

»Feigen Feigen«

Ana Ott

Léonore Boulanger war mir bisher nicht bekannt. »Feigen Feigen« ist bereits das dritte Album der Französin, die sich nicht wenig Mühe gibt, mit allerlei Verspieltheit zu punkten. Die Instrumentierung der zwölf Lieder auf »Feigen Feigen« wartet mit einer Reihe von Instrumenten auf, die um einen prominenten Platz in den detailreichen und kurzweiligen Kompositionen wetteifern. Neben Gitarre, Bass und Schlagzeug zwitschert und klingelt es – mal mehr, mal weniger schräg – aus Kalimba, Glockenspiel, einer Vielzahl an Blasinstrumenten sowie anderen nicht identifizierbaren Gerätschaften. Und durch diesen Instrumentenpark schlängelt sich Léonore Boulangers Stimme: scheinbar naiv, verlockend und um keinen vokalen Spagat verlegen. In dieser Herangehensweise erinnert die Musik an entrückt-verrückte Zeitgenossinnen wie die Finnin Laura Naukkarinen (alias Lau Nau) oder historische Vorzeige-Spinnerinnen (natürlich ein Kompliment!) wie Brigitte Fontaine. »Feigen Feigen« ist ein vor Spielfreude platzendes Album, ein Füllhorn an Melodien, trickreichen Unterbrechungen ebendieser und anderen musikalischen Experimenten, die den Bereich freundlich-verspielter Weirdo-Pop-Musik zu keinem Zeitpunkt überschreiten: Niemand wird atonal vor den Kopf gestoßen und es wird auch nie zu laut oder zu »schräg«. Das muss ja auch nicht sein. Jedenfalls nicht per se. Léonore Boulanger balanciert auf einem ziemlich schmalen Grad zwischen Kitsch und – nee, nicht Kunst, sondern: »Komm’, was soll’s!« Einerseits wickelt sie einen mit ihrem melodieverliebten Treiben relativ schnell um den Finger, andererseits erreichen manche Lieder auf »Feigen Feigen« zumindest hier und da auf meiner »fabelhafte Welt der Amélie«-Skala bedenkliche Werte, soll heißen: mir wird das dann zu »bunt«, zu niedlich-süßlich. Ab und an säuselt mir Léonore Boulanger ein Quäntchen zu viel um ihre ohnehin schon detailverliebten Arrangements herum. Das will ich an dieser Stelle nicht verschweigen. Von solchen – durch cinematografische Sozialisationsschäden hervorgerufenen – Vorbehalten mal abgesehen ist »Feigen Feigen« allerdings durchaus empfehlenswert, wenn man nach einem virtuos-verspielten Popmusik-Album sucht.

 

 

 

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