Robbie Williams

Escapology

Chrysalis

»Ein Original ist ein Original. Eine Kopie ist eine Kopie. Ich bin ein Original.« (DJ Ötzi auf die Frage, was er denn als jemand, der ja auch nur Cover-Versionen nachsingt, von DJ-Ötzi-Imitatoren hält)

Robbie Williams hat da schon andere Sorgen. Gott sei dank wohnt und lebt er nicht in Österreich. Denn dann wäre er nix. Geht es doch auch bei der ORF-Popstarsuche »Starmania« zuallererst um Disziplin, harte Arbeit, Fleiß und Kadergehorsam. Da ist zuviel Spaß ebenso wenig gerne gesehen wie ein zu wenig an »du selbst sein«. Und wer »zu sehr eine Rolle spielt« (also Null Authentizität, Individualität und Schrägness ins genormte Starschnittformat einbringt) hat auch gleich verloren. Pop ist in Österreich also schon in der »dritten Republik« der Haider-FPÖ angelangt (mit dem Musical bzw. der Tanzrevue im Dritten Reich als Vorläufer). Aber Robbie Williams hat ja andere Sorgen. Er will in die USA. Leben tut er dort ja schon (was auch zweimal zuviel besungen wird), jetzt will er dort aber auch noch in die Hitparaden und Stadien. Also kommt »Jesus« oft vor, werden die Gitarren angespitzt und so was wie eine Art rollender Oasen versucht. Was aber im Großen und Ganzen so unfunky, unsoulig und unschwul (also weder ambivalent großgoschert noch subtil hochstaplerisch) daherkommt wie man als Engländer wohl denkt, dass Musik aus England zu klingen hat, will man damit rocksozialisierte Amis erobern. Schon Mr. Bean ist in den USA gescheitert und die beste US-Musik haben Engländer auch immer noch im französischen (Steuer)Exil gemacht! Gut, die Ballade »Feel« ist für kurz vor Weihnachten wieder mal generalstabsmäßig richtig gesetzt worden. Aber ansonsten sucht man vergeblich nach weiteren Streichen der Marke »Rock DJ« oder »Supreme«. Das Tolle an Robbie Williams war ja auch immer sein Katz & Maus-Spiel mit sich selbst als dritte Halbzeit im Match Sänger/Künstler versus Ein-Mann-Rat Pack. Nur strahl »Escapology« plötzlich einen Ernst aus, der schon beim faden Cover (Robbie beim Bungee Jumping) anfängt. Da ist nix mehr mit der selbstironischen Fußball-Slapstick von »Sing When You’re Winning« oder der lächerlichen Glam-Wam-Bam-»Ich werde Pop-Star«-Großmauligkeit von »Life Thru A Lens«. Dazu kommen Songs, die sich nicht mehr so super zum Singen an Orten wie Fußballplatz, Dusche, Badewanne, etc. eignen. Was ja immer schon eine nicht zu unterschätzende Qualität war (vor allem des jetzt wahrscheinlich leider Ex-Komponisten Guy Chambers). Robbie-Williams-Songs konnte man auch mit weniger Stimmvolumen als er selber sofort nachsingen. Pop als quasi demokratisches Unternehmen ohne gleich Vokuhila-»We Will Rock You«-»Ois Oarsch«-»We-Are The Champions«-Reichsparteitags-Stadion-Rock zu werden. Unpeinlich die Robbies James Bond-Versuche und ruhelos zwischen Eskapismus und Eskapaden herumpendelnd. »Escapology« macht hingegen den ersten Schritt einer Unverzeihlichkeit ersten Ranges: (britischen) Pop zugunsten von (Ami)Rock aufgeben zu wollen (siehe auch Depeche Mode, wo dann auch gleich lange Haare, Leder, Tattoos & Heroin als Authentizitätszertifikate herhalten mussten). Mein Rat/Tipp: Einfach mal mit George Michael zusammen einen trinken gehen und einen gemeinsamen Weltaufstandplan schmieden. Robbie hat das Geld, George bestimmt die besten Ideen und RuPaul macht dann auch bei der nächsten Präsidentenwahl mit. Aber vorerst reichen auch Videos in denen keine Pferde mehr vorkommen.