Kompost 3

»Epigenesis«

Laub

Dieser Martin Eberle ist mir ja schon früher aufgefallen. Also wie der sich am Flügelhorn abarbeitet, das ist mir schon eine Eintragung ins Klassenbuch wert. Natürlich ein Plus. Ich, als Rezensent und Klassenvorsteher, würde natürlich lieber ein Minus verteilen, denn klar, wo gelobt wird fallen naturgemäß Späne, Späne der Gleichmut und des Müßiggangs … aber was soll’s, loben wir eben die Welt zugrunde! »Epigenesis« von Kompost 3, der entzückenden »ElektroJazzRockImproGroove«-Kombo, die sich rund um Eberle gebildet hat, liefert dafür ja auch einen mehr als gelungenen Anlass. Was wir hier hören ist funkiger Jazzrock, der sich mitunter fast progrock-bockig gibt, mit sexy Breaks und kecken Einschüben. Dann wieder hören wir große, fast epische Gesten, aus dem akustisch Vollen der Jazzgeschichte gegriffen. Ein Freudenfest. Jazzrock wie aus dem Artenzoo, mal faucht es, mal zappelt es, mal räkelt es sich gemütlich im Gras. Immer aber ist es lebendig und beherzt und genau am Punkt. Auch dem Mulitinstrumentalisten Benny Omerzell muss ich da ein dickes Plus ins Klassenheft schreiben. Ebenso hat sich Manu Mayr am Bass seine zwei Stricherln detto verdient, von Lukas König an den Drums gar nicht zu reden. »Epigenesis« macht beim Hören so viel Spaß, man könnte alle vier Musiker abbusserln. Aber das tue ich als strenger Klassenvorstand natürlich nicht. Und als Rezensent schon gar nicht. Ich schreibe nüchtern ein wohlverdientes »Sehr gut« ins Zeugnis … plädiere in dem Fall aber für eine nach unten offene Notenskala. Nur für den Fall. Fazit: Ganz großes Jazzrockkino! Ein Wonnestück.