Grouper beim Donaufestival 2018, mit einem ähnlichen Set wie am 20. April in Berlin © David Višnjić/Donaufestival

Ein Zackenbarsch schlägt Wellen

Vor dem Auftritt am Donaufestival 2018 gastierte Grouper am 20. April im Berliner Hebbel am Ufer, mit John Bence aus Bristol im Schlepptau.

Haben Sie schon einmal ihre Ohren auf die Schienen gelegt, während am Horizont eine von Rauch umhüllte Lokomotive erscheint? Ich auch nicht, aber so in etwa kann man sich den Höhepunkt des Grouper-Konzertes im Berliner Hebbel am Ufer am 20. April 2018 vorstellen.

Zunächst müssen jedoch ein paar Worte über den im Vorprogramm auftretenden Komponisten/Produzenten John Bence verloren werden. Vom Band abgespielte gregorianische Gesänge, Percussion- und Orchesteraufnahmen werden mit lauten Schreien, Ohrfeigen und einem wahnsinnig anmutenden Blick gen Hörerschaft begleitet. Ich schaue mich um und fühle mich wie in einer Computersimulation, in der nach und nach ein großes Fragezeichen über dem Haupt jeder einzelnen Spielfigur aufploppt. Eine absonderliche, wohl aber interessante Darbietung.

Zug fährt ein
Mit behutsamen Tönen des Konzertklaviers beginnt Liz Harris aka Grouper ihr einziges Deutschlandkonzert auf ihrer Tournee. Wie gewohnt werden diese Klänge von ihrer samtweichen Stimme sowie Dubbings, die sie manuell von verschiedenen Tape-Rekordern abspielt, eingebettet. In eben dieses Bett lasse ich mich tiefer und tiefer nieder und es folgen altbekannte sowie neue Lieder ihres kürzlich erschienenen Albums »Grid Of Points«. Ich bin gefesselt von Gitarrenloops und in Trance von unzähligen, sich immer weiter überlagernden Gesängen, und als ich nicht noch tiefer in meinem Theatersessel versinken kann, rollt ganz langsam die angesprochene Eisenbahn ein.

Der Boden fängt allmählich an zu beben, während der Kiesel zwischen den Schienen aufspringt und ein Rausch-Crescendo verursacht. Tiefe Basstöne preschen mit Donnergetöns wie die Räder auf dem eisernen Stahl der Schienen auf mich los, Gänsehaut am ganzen Leibe zur Folge. Als mir die Gitarrenwand wie Fahrtwind ins Gesicht schlägt, verwandelt sich die Lokomotive in höchster Geschwindigkeit in ein wankendes Schiff, das auf stürmischem Meer von einem Strudel nach unten gerissen wird. Kreischende Töne und Klanggewimmel werden durch den Abfluss des Ozeans gesogen und am Ende bleibt nur noch die Kapitänin Grouper mit ruhiger Stimme am Ufer des Hebbel-Theaters liegen.

Links:
https://sites.google.com/site/yellowelectric/
www.hebbel-am-ufer.de

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