theclosing

»dto«

Circle Into Square

Das Electronic-Trio theclosing, bestehend aus Alexander Hengl, Lukas Lehner und Daniela Auer, hat sich 2004 auf der Akademie der Bildenden Künste in Wien (wo u. a. auch Wolfram, Pomassl oder Soap&Skin tätig sind bzw. waren) kennengelernt und legt nun endlich sein selbstbetiteltes Debüt auf dem Portlander (!) Independent Label Circle Into Square (das Partnerlabel von Fake Four Inc.) vor. Wie bei diesem Background nicht anders zu erwarten wird hier Musik aus fragilen, unfertigen, skizzenhaften sowie durchaus schon mal instabilen Klangmaterialien entlang konzeptueller Paradigmen generiert (ob die nun zuvor schon festgelegt wurden, erst beim kollektiven Herumschrauben entstehen oder ein Doppelmoppel sind, ist dabei nebensächlich). Sie selber nennen ihre Produktionspraxis »communicating through sound« und das trifft es wohl am besten. In einem englischsprachigen Onlinebeitrag sprechen theclosing von »We try to channel the subconscious through mouse clicks« und genau darum geht es bei ihrer Musik. Weniger jedoch um das »eigene« Unterbewusste, als um das Unbewusste der Maschinen. Die liegen zwar nicht auf der Couch, aber werden zu jenem Sprechen jenseits der Sprache gebracht, dass bekanntlich dann passiert, wenn eine nicht erwartete, irritierende Frage gestellt/skantiert oder eine nicht im User-Manual vorgesehene Handhabe vollführt wird. Und weil da immer auch gleich ums Eck das Unheimliche wohnt (etwa als verwunschenes »feldlied«) erscheinen auch all die found footage- und field recordings-Partikel wie aus jenen »Kinderstuben« der elektronischen Musik, von denen Kodwo Eshun auch immer wieder schwärmt: den Spielhallen, Spieldosen und Tonbandspielereien, die hier dann auch auf Namen wie »tiktak« und »box« hören, oder bei »sandmannklan« gleich ETA Hofmanns unheimliche Automate Olympia aus besagtem »Sandmann« zum Tanzen bringen. Naheliegenderweise gibt es mit dem »zombielied« zusätzlich somnambulen HipHop dessen Groovebrechungen auch bei Quasi-Dance-Tracks wie »rrroar« und »neeu« wiederhallen. Dabei erzählt die Musik von theclosing auch davon, dass es kein Zurück mehr (wohin auch immer) gibt. Ob das nun hauntologisch oder hypnagogisch oder sonst wie benannt wird, ist dabei herzlich egal. Letztlich spricht auch der Umstand, dass hier eher um das zizeksche »den Anfang zu wiederholen« geht, gegen solche Slogandroppereien. Nehmen wir nur das krautrockige »schnatterlied«, bei dem Krautrock quasi auf Anfang gesetzt, dann aber ganz woanders weitergegangen und hinkommen wird. Ebenso verhält es mit der Ambientstimmung bei »m4«, deren Chill-Faktor durch elektromagnetische Insekteninvasionen erheblich gestört wird. Gro&szliger Wurf, schöne Platte.
Die Live-Präsentation der CD findet im Rahmen der Circle Into Square«-Labelnacht zusammen mit den US-Bands Cars & Trains (Folktronica/USA) und Big Spider’s Back am 07.10. im Wiener Fluc statt. Zu beziehen auch unter: www.theclosing.net