Schlagzeuger Jaka und Elektroniker/Bassist Nace © Jelena Vojinovic

Drums, über alte Volkslieder gelegt

Der slowenische Schlagzeuger Jaka, der am Alarm-Festival in Žminj teilnahm, über seine Arbeitsweise mit dem historischen Material von Anthropolog*innen. Traditionals als Symbole für eine rohstoffgierige Welt, die Menschen aus ihren angestammten Gebieten vertreibt, unterdrückt und ausbeutet.

Wo noch Anfang der 1990er-Jahre haufenweise Punk-Konzerte stattfanden, mitten in dem Rožna Dolina (Rosenhügel) benannten Student*innen-Campus in Ljubljana, befindet sich das älteste Radio Sloweniens: Radio Student. Hier sucht sich der Schlagzeuger Jaka, der viele Aliasnamen wie etwa Brgs hat, seine Melodien aus, nach denen er arbeitet. In der Phonothek, die angeblich besser bestückt ist als das Nationale Fernseharchiv. Jaka, auch Drummer in der Band Darla Smoking, spielte als Letzter auf Zahra Manis und Karin Schorms Festival Alarm in Žminj bei Rovinj und brachte die begeisterten Zuhörer*innen, die im Scheinwerferlicht über Wiese und Wurzeln hoppelten, zum Tanzen. In der Phonothek im Radio Student gäbe es eine riesige Sammlung von traditionellen Field Recordings, erzählt Jaka am nächsten Tag beim Frühstück zu Mittag, Aufnahmen von Anthropolog*innen aus der ganzen Welt. Jaka hörte sich lang in die afrikanischen Funde ein. »Now I am digging into the Asia connection«, sagt er und pult an seinen Gesichtsnarben. In der Asienabteilung gäbe es so lustige Funde wie »a children’s choir to a Sumo wrestler«. Wenn einer seiner Freunde eine Reise tut, bittet er um Musikmitbringsel. In Uganda, Ruanda oder auch in Aserbaidschan. »They make you a CD on the spot, with the songs you want to have.« An Tankstellen zum Beispiel.

Übersetzung auf Drums
Jakas Forschung begann »with Africa of course«: »The rhythms of the world are really colourful.« Er schwärmt von den komplexen Rhythmen, der Tabla, der Darbuka. Die sind wirklich schwierig auf Drum zu übersetzen, betont er. Er nutzt diese alten, gefundenen Melodien bzw. Rhythmen als Anregung für neue Musik, denn dieser würde ansonsten zumeist die Emotion abgehen. Sein Elektroniker und auf eine Art Bassist, Nace, ist ein freundlicher, stiller Mann mit langen Haaren, der immer lächelt. Die beiden haben einiges auf dem Kasten bzw. im Kasten natürlich. »We use the voices as a lead singer«, erklärt Jaka und legt seine Arbeitsweise anhand des Liedes »Which way the blood river runs«, einem sehr alten Mississippi-Blues, dar. Er hört sich die Aufnahme so oft an, bis ihm ein Sample auffällt und er weiß, wie er seine Drums darüberlegen kann. Es braucht oft viel Zeit, ein Lied heraus zu hören, betont Jaka. »I search for the holes, I find the space where to put the drums in.« Bei den »Screaming Songs« aus Papua-Neuguinea wurde zum Beispiel aufgenommen, wie die Menschen sich im Dschungel über weite Strecken hinweg rufen. »Screaming for half an hour«, lächelt Jaka und streicht seinen Bart, »bad recording«. Die beiden Musiker halten die Idee simpel und legen den Bass drüber. »We work with the song. The computer makes it straight sharp, then I lay my drums over it.«

Jaka, wie in seiner eigenen Welt © Jelena Vojinovic

What society does to others
Mit sechzehn Jahren spielte der jugendliche Jaka ein Jahr lang Airdrums, bevor er auf die Musikschule durfte. Dort hasste er seinen militarisierten Lehrer, der ihn oft nach Hause schickte, wenn er seine Übungen nicht konnte. »Go home, you motherfucker!«, rief der angeblich. Jaka fehlte immer die Emotion in der Musik, deswegen spezialisierte er sich schnell auf alte Volkslieder. Diese ständen symbolisch auch für eine Gesellschaft, die Menschen zerstört und ausbeutet, meint er. Volkslieder, im Gedenken daran, »what society does to others«. »We use distortion, hard cuts in the beautiful music. When I put some singer of Aserbaidschan in distortion, I have the feeling he is screaming back at me. We get a feedback!« Sie würden versuchen, etwas gegen den Musik-Kolonialismus der weißen Producer zu tun: »There are areas, that are really fucked up. We try to say something about them.« Jaka selbst wird derzeit noch vom Metronom terrorisiert, das er beim Konzert über Kopfhörer einspielt. Ein Ergebnis seiner Arbeit mit dem japanischen Drummer Seijiro Murayama, bei dem er Zuhören und auf die »empty spaces, the space in between« achten lernte. »I play around the metronome, it is hard to play with the computer«, meint er. »Tight, straight beat, the illusion of that I am searching since years.«

Am Ende des urlangen Konzertes lassen alle die Anspannung heraus. Im Vordergrund: ein strahlender Nace © Jelena Vojinovic

Links:
https://brgstime.bandcamp.com/
https://zvocniprepihi.bandcamp.com/