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Drew Gardner

»Wave Field«

VHF Records

Drew Gardner spielt im Gitarrenduo Elkhorn instrumentale Musik, die eher dem Folk, Blues und American Primitive zugeneigt ist. Mit seinem Soloalbum, eingespielt als Quartett, bewegt er sich zwischen motorischem Kraut-, sanftem Noise- und mäanderndem Psychedelic-Rock und in der Nachbarschaft zeitgenössischer Jam-Bands wie Water Damage und Winged Wheel. Bei Letzteren spielt ja Steve Shelley Schlagzeug und der saß bekanntlich lange bei Sonic Youth hinter der Schießbude und in vielerlei Hinsicht erinnert »Wave Field« an die einflussreiche und experimentierfreudige Indie-Rock-Formation. Nämlich immer dann, wenn die Gitarren mal mehr, mal weniger laut um einen stoisch getrommelten Beat herumtanzen, wie man das aus den freien instrumentalen Passagen von Klassikern wie »The Diamond Sea« kennt: Das absichtslose Sich-Verlieren im verträumten Klangbad, darin waren Sonic Youth sehr gut. Drew Gardner und seine Mitmusiker tun es ihnen nach, wenn auch nicht ganz so ausufernd, denn sie überschreiten für die fünf instrumentalen Stücke die 10 Minuten nur einmal. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie diese Musik auf junge Menschen wirkt, aber alle, die seit »The Year Punk Broke« oder schon länger dabei sind, können für knapp 40 Minuten, die das gesamte Album dauert, so tun, als wären die eigenen Haare noch nicht grau und als wäre der Tag nicht zum Arbeiten, sondern zum sorglosen Verbummeln da, zum »Abhängen«, einer Kernkompetenz aller, die sich zur Generation X zählen dürfen. Motivationsarm, sich nur nicht zu schnell bewegen, beim Gedanken daran oder in der entspannten Debatte darüber, welches Stooges-Album das beste ist, welcher Sänger Can-Alben besser begleitet hat oder, oder, oder … Und Frühling wird’s ja auch, endlich wieder Sonnenbrillen, Jeans und T-Shirt-Wetter! Herrlich. Nichts Weltbewegendes, aber herrlich.

Home / Rezensionen

Text
Holger Adam

Veröffentlichung
01.04.2026

Schlagwörter

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