Autechre

Draft 7.30

Warp

Bereits die letzte LP »Confield« spaltete die Hörgemeinde in jene, die Autechre nur mehr so etwas wie affektierten Pseudointellektualismus vorwarfen, und jene, die dem ständigen Bemühen, sich selbst immer wieder aufs Neue zu entwerfen, viel abgewinnen konnten. Das dürfte sich mit »Draft« nicht maßgeblich ändern, obwohl der Rezensent seine Erwartungen in Anbetracht der letzten EP »Gantz Graf« nicht ganz erfüllt sah; dies ist weniger als qualitative Aussage zu werten, denn »Draft« ist zweifellos ein ganz großer Wurf. Der Logik des unbedingten Fortschritts folgend, hätte man sich lediglich einen weiteren kompromisslosen Schritt in Richtung Avantgarde erwartet. Dem ist jedoch nicht so, denn auf der vorliegenden CD finden sich Tracks wie »Surripere«, die schon fast als Reminiszenzen an alte Zeiten durchgehen könnten – vergleichsweise straighte Grooves, Autechre-typisch kühle Atmospheres und ein sublimes »Yo!« auf den mit Cyborg-Implantaten upgegradeten Lippen. Autechre haben sich offensichtlich darauf besonnen, dass rhythmische Strukturen, für deren Verstehen kein Taschenrechner benötigt wird, nicht prinzipiell böse sind und das ist mehr als nur okay. So glänzt nämlich seit langer Zeit wieder mal ein gehöriger Schimmer hochsophistizierter Melancholie durch den Vorhang kunstvoll atomisierter Nullen und Einsen.