Don’t stop me now

Immer nur meckern, ist das denn richtig? Warum nicht einmal ein Lob aussprechen? Die österreichischen Rechten machen derzeit alles richtig und deswegen gebührt HC Strache für seine aktuelle Performance die Anerkennung, die ihm hiermit widerfahren soll. Und aufhalten soll man schließlich niemanden.

Wir erreichen Austrofred, als er es sich gerade in seinem ausladenden Korbstuhl bequem gemacht hat, mit dem festen Vorsatz, sich dem Schönen in der Welt zuzuwenden. Bekanntlich bekommt dies viel zu wenig Beachtung. Das Wetter ist trübe, die Weltlage dunkel und die Seelen der Menschen schwarz, hier muss also Freude und Zuversicht her. Da klingelt es. Mürrisch blickt Austrofred auf den E-Mail-Apparat. Redaktion skug. Das kann nichts Gutes heißen. Aus Pflichtgefühl liest er sich die Anfrage durch: »Hans-Christian Strache macht Comeback-Versuch – Stopp/ Versucht sich als Freddie Mercury – Stopp/ Zieht in die Sophiensäle zu Queens ›Don’t stop me now‹ ein – Stopp/ Austrofred muss ihm das Handwerk legen! – Stopp« Austrofred zerknüllt das elektronische Papier. Erstens: Wann wird skug endlich lernen, dass man heute keine Telegramme mehr schreibt? Zweitens: Warum muss ich mich jetzt mit diesem Semmeltrenzer von HC Strache beschäftigen? Dennoch greift er zur Gänsefeder und beginnt, seine Gedanken in Worte zu fassen.

Wohlmeinende Stilkritik HC Strache
Die Queen-Nummer »Don’t stop me now« sei nach wie vor super, meint Austrofred. Seine Version trage übrigens den prophetischen Titel »An Macho hoit nix auf«. Strache wählt seine Songs somit weise. Performancetechnisch gibt es auch nix zu meckern. Strache schwebt durch die Sophiensäle, umringt von seinen Bewunderern. Sie werden schon wissen, warum sie jubeln. Inhaltlich wäre zum Song allerdings einiges zu sagen. Vor ein paar Jahren hatte sich Austrofred hingesetzt, um einmal in einem ebenfalls prophetischen Aufsatz zu schildern, wie Strache Wiener Bürgermeister wird, das Donauinselfest übernimmt und dadurch den auftretenden Künstler*innen viel an Argumentationskreativität abverlangt wird. Seltsame Wendung der Geschichte nun, denn dank Ibiza – wirklich eine schöne Insel übrigens! – bleibt den Künstler*innen dieses Opfer erspart. Aus der damaligen Sicht, die mit dem unaufhaltsamen Erfolg Straches fest rechnen musste, hätte »Don’t stop me now« inhaltlich wie eine Drohung gewirkt. Aktuell würde Austrofred aber diagnostizieren: »Der Strache hat einen scheinbar recht ausgeprägten politischen Todestrieb und scheint dabei auch seine Ex-Kollegas nicht schonen zu wollen, ich würd’ ihn da eher jetzt tatsächlich nicht stoppen.«

Auch würde er Queen von einer entsprechenden Klage abraten. (skug weiß aus sicherer Quelle, dass diese Klage bereits von Sony Music erwogen wird. Vielleicht kann man sie aber noch stoppen?) Dass Opus wegen »Live is Life« klagen, findet Austrofred hingegen gut, weil Leben soll man immer schützen! Außerdem, dauernd diese internationalen Hits, litt John Otti etwa unter der Zurückweisung? Je mehr Austrofred in sich geht, desto passender findet er die Nummer eigentlich. Lehnen wir uns einmal gemeinsam im großen, gemütlichen Korbsessel zurück und schließen die Augen. Stellen wir uns im Kopf dann die bekannten Ibiza-Bilder vor und sinnieren den unsterblichen Text von Freddie Mercury dazu: »Tonight, I’m gonna have myself a real good time / I feel alive / And the world / I’ll turn it inside out, yeah / And floating around in ecstasy / So don’t stop me now«.

Nur weiter so!
Redaktion skug dankt und beginnt, sich innerlich zu freuen. Das trübe Wetter klart auf, das schwarze Schamott bröckelt von unseren Seelen. Unsere Rechten, ihr herzallerliebsten Neonazis, geistig zubetonierte, moralisch verrohte und intellektuell verblödete, balearische Kanarienvögel, feiert euch doch bitte schmockisch in den Sophiensälen. Unseren Segen habt ihr, denn ihr seid auf dem rechten Weg. Wir freuen uns schon auf die Kilometer Schmutzwäsche, die ihr in den nächsten Wochen an die mediale Wäscheleine hängen werdet, und der Boulevard, der euch tatkräftig bei der Kabinenanmietung auf der Titanic unterstützt, soll auch seine Freude haben. Nur eines fragen wir uns schon: Wie war es möglich war, dass eine Erscheinung wie HC Strache einmal Vizekanzler von Austria war? Wer hat ihm eigentlich dazu verholfen? War es am Ende jener wieder im Bundeskanzleramt eingezogene, geschleckte Herr, den viele für einen harmlosen »Tenement Funster« halten, der aber eher ein »Death on Two Legs« ist? Wir gehen der Sache nach. Und zwar fröhlich, erheitert und beschwingt zur Musik von Queen. Ein »Te o toriatte konomama ikou« an alle und noch ein »Domo arigato« an den lieben Austrofred.