Richie Hawtin

DE9: Closer To The Edit

Novamute

Richie Hawtins neuestes Mix-Album eilte schon der Ruf eines revolutionären Dinges voraus, und die Art und Weise der Produktion ist für eine Mix-CD ungewöhnlich aufwendig. Aus ca.100 Tracks bastelte Hawtin über 300 Loops, die nach seiner Ansicht die Essenz der jeweiligen Tracks repräsentieren. Anschließend mixte er sie mit Hilfe geringen Einsatzes von Effektgeräten neu zusammen. Das Ergebnis ist eine CD mit vollgefüllten 31 IDs. Zur Verwendung kam sowohl eigenes Material (Plastikman, Fuse …), Klassiker von Carl Craig (»Paperclip People«), oder ganz neuer Stoff von Niederflur oder Sergej Auto. So hat man den Eindruck im Schnelldurchgang zehn Jahre Technogeschichte an sich vorbeiziehen zu sehen.
Und da beginnen eigentlich schon die Fragen. Für mich konnte eine gute Techno-Nummer noch nie auf einen bestimmten Beat reduziert werden, sondern sie funktioniert durch die gezielte Wiederholung und Aussetzung von Elementen. Gerade durch die Bekanntheit (und ich bin jetzt kein Techno-Nerd) mancher der verwendeten Nummern, bleibt beim rasenden Mix-Tempo dieser CD nur der Aha-Effekt – »achja das Teil hat er auch verwendet«. Der Flow ist bei diesem Monsterprojekt teilweise nur sehr schwer aufrecht zu erhalten, auch wenn das Mixing zum Teil schon sehr gelungen ist, Ansätze von Breaks auftauchen und somit auch das Tempo gewechselt wird. Wozu also dieser Aufwand? Es hätte genügt mit zehn Platten zu arbeiten und sie, nachdem sie in ihre Bestandteile zerlegt worden sind, neu zusammenzubauen. Dadurch wäre viel mehr Luft geblieben. Denn die Idee halte ich eigentlich für sehr interessant, die Ausführung allerdings für ungenügend und gigantomanisch. Matthew Herberts letztes Mix-Album auf K7 ist viel ökonomischer und auch gerade wegen des anti-perfektionistischen Ansatzes (»Let’s All Make Mistakes«) wirkungsvoller als das neue Stück von Mensch-Maschine Hawtin.