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Ohne die berüchtigte Referenzhölle kommt man im Fall von Ezra Furman nicht aus. Zwar wird MusikkritikerInnen immer wieder vorgeworfen, neue Bands und Acts stets nur mit bestehenden Bands und Acts zu vergleichen, doch wenn man wie Furman von allem und jedem etwas abguckt, ist die Kritik nachgerade zum Namedropping verdammt. Schon bisher schrieb der Freigeist Bands wie Violent Femmes oder Velvet Underground in Großbuchstaben; mit seinem zweiten Soloabum »Day Of The Dog« fügen sich in die Ahnengalerie noch einige unerwartete Namen ein. Furman präsentiert sich darauf nämlich ein gutes Stück angriffiger und ungenießbarer als auf seinen bisherigen Platten. Der ungehobelte Gesangsstil auf »Day Of The Dog« mag dem Wohlergehen von Furmans Pharynx nicht gerade zuträglich sein, macht aber großen Spaß und passt hervorragend zum punkigen Soundkleid einiger Songs. So wild wie auf »I Wanna Destroy Myself« und »And Maybe God Is A Train« war Furman bislang nicht zu hören. Freilich funktioniert »Day Of The Dog« nach wie vor unter poppigen Vorzeichen, eine gehörige Portion augenzwinkernder edginess liefert jedoch die nötigen Brüche. Da sind dann in »Tell Em All To Go To Hell« unschwer Anklänge an Plastic Bertrands Ȃa Plane Pour Moi« auszumachen, während »Been So Strange« den Mittelbereich zwischen Pearls Before Swine und Garagenpunk (!) kalibriert. Dagegen zitiert »At The Bottom Of The Ocean« ganz bewusst George Michaels »Faith«, konterkariert dessen Feelgood-Flair aber mit einem fiesen Anakoluth namens Psychobilly. Das titelgebende »Day of the Dog« wiederum klingt, als hätte George Orwells Winston Smith sich dazu entschieden, einen Blues zu schreiben, und zwar nach seinem Verrat durch Parteisoldat O’Brien. Um den Eindruck zu vermeiden, hier sei jemand durchgeknallter als Johnny Rotten und Alex Harvey zusammen, hat Furman da und dort (»The Mall«) ein paar versöhnliche Leckerlis in Dur versteckt. Das Resultat ist ein höchst unterhaltsames, Furmans bisher bestes Album.

skug empfiehlt Ezra Furman live:
07.02. Steyr (Röda),
08.02. Ebensee (Kino),
09.02. Wien (Chelsea)

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Home / Rezensionen

Text
Gabriel Mayr

Veröffentlichung
06.02.2014

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