George Lopez

Das Auge des Schweigens

WDR

Ein Thriller ohnegleichen. Spannung bis zum Zerreißen. Wenn die Streicher mit dem Bogen über die Saiten fahren, steigert sich der Klang zu massiver Wucht. Anspannung und Loslassen – der dämonische Dramaturg Lopez weiß um die Kraft, die instrumentale Wirbel evozieren. Ebenso aber auch um versprengte Irritation durch Soloinsturmente. Diese dürfen Akzente setzen, doch ist ihnen im Gesamtkontext eine grobianische Verstärkerfunktion, die bis zur Detonation führt, zuzuschreiben. Zuspitzen auf den Effekt könnte ein Vorwand an den Komponisten lauten, doch macht dieses Anschwellenlassen und Aufbauschen Sinn. Gewaltig entlädt sich der Klang in instrumentalen Orgasmen und schon nehmen die Instrumentalisten den nächsten Anlauf, um Spannung selbst in mikroskopischen Bereichen aufzubauen. Alles – vom schrillen Flötenton, bis zum tiefen Bläserbass – scheint darauf abgestimmt, das wilde Aufbrausen möglichst konstant zu halten. Generalissimo Lopez beherrscht das Feld. Vor diesem von jedem Orchestermitglied vorgetragenem Generalangriff gibt es kein Entrinnen. Die Armee von Klanginfanteristen belegt den Hörer mit Dauerfeuer, ohne sich eine Blöße zu geben. Gegen Ende von »Blue Cliffs« hängt der geforderte Rezipient ermattet im Sessel. Lopez, vertreten durch Dirigent Johannes Kalitzke, befehligte eine Großmacht der Neuen Musik: das Klangforum Wien.