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D. C Cross

»Open Guitar (Volume 1)«

No Drums Records

Vier der sieben Kompositionen für akustische Gitarre nehmen im Titel Bezug auf Orte in Europa, die Darren Cross während seiner Touren jenseits der australischen Heimat besucht hat: Köln, Antwerpen, der Rhein … Sehnsuchtsorte eines Musikers, der im heimischen Sydney mehr oder weniger alleine dasteht, mit seiner akustischen Gitarre bzw. der Art und Weise, wie er sie spielt. Musikalische Nachbarschaft findet Darren Cross eher in Europa (und Amerika), wo er auf geistesverwandte Musiker*innen traf bzw. sich mit ihnen die Bühnen teilte. Die im Nachgang zur Reise entstandene Musik ist (nicht nur) Ausdruck bittersüßer Erinnerungen an die Tour in Übersee, sondern auch melancholische Reflexion auf das Leben als selbstständiger Musiker: »NEVER GIVE UP OR IN« titelt in Großbuchstaben ein weiterer Track des Albums. Die Zeiten sind hart, die Musik stemmt sich in all ihrer erhebenden Melodie- und Detailverliebtheit dagegen. Aufgeben ist keine Option, tapfer wird der Ungewissheit getrotzt: »Jump Off The Edge Into The Darkness«. Unabhängig dieser erfahrungs- und personengebundenen Perspektiven kann man allerdings auch in aller Ruhe und deutlich herausstellen, dass »Open Guitar (Volume 1)« ein sehr schönes und abwechslungsreiches Album ist, und, Entfernung zum Takoma-Park hin oder her, sich wunderbar in die Tradition instrumentaler akustischer Gitarrenmusik im Geiste der großen Alten (Fahey, Basho, Rose …) einreihen lässt. Angesichts dieser Ahnenreihe und im Verhältnis zu zeitgenössischen Vertreter*innen der Gegenwart (Gwenifer Raymond, Liam Grant, Shane Parish, Sam Grassie …) stellt sich aus meiner Sicht bzw. für Freund*innen dieser Art von Musik auch nicht die Frage, wie originell die Kompositionen für 6-saitige Gitarre sind, denn der Schatten, den Fahey & Co. werfen, ist lang bzw. nimmt man es genau, dann muss man sagen, dass schon die Suche nach Blind Joe Death im Zusammenhang mit dem Folk-Revival der 1950er- und 1960er-Jahre in den USA gesehen werden muss, die bewahrende und die Geste der Erneuerung und Fortschreibung sich also nicht ausschließen. Und in diesem Sinne sitzt Darren Cross unter Eukalyptusbäumchen, spinnt den musikalischen Faden im fernen Australien weiter und irgendwann wird er sicher wieder auf Reisen gehen. Bis dahin kann seine Musik (wohl überwiegend über digitale Kanäle) in aller Welt Gehör finden. Man kann sich die CD auch in Australien bestellen. Könnte bisschen teurer werden … So oder so lohnt es sich, hinzuhören. 

Home / Rezensionen

Text
Holger Adam

Veröffentlichung
02.03.2026

Schlagwörter

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