Cuong Vu 4tet

»Change in the Air«

Rare Noise Records

Will man sich in der heutigen Zeit im Jazz einen Namen machen, ist es besonders hilfreich, sich durch Kollaborationen und Aushilfe mit nicht klassischen Jazzer*innen auch in anderen Gefilden der Musik zu etablieren, natürlich auch, um dort etwaige genrespezifische Einflüsse zu genießen. Der aus Vietnam stammende Trompeteur Cuong Vu beispielsweise sammelte neben seinen Arbeiten mit Pat Metheny auch Credits bei Laurie Anderson, Eyvind Kang (John Zorns »Book of Angels«-Serie), Jamie Saft (ebenfalls Rare-Noise-Artist) oder den Drone-Dudes von Sunn O))). Ebenso engagierte ihn David Bowie für diverse Soli. Man lese und staune: »Change in the Air«, seine zweite Veröffentlichung in dieser Formation nach dem 2017er »Ballet« mit Bill Frisell (Gitarre), Luke Bergman (Bass) und Ted Poor (Drums), kann sich hören lassen. Obwohl Cuong Vu namentlich die Führungsrolle übernimmt, war seine Hauptaufgabe, dafür zu sorgen, dass die Beteiligten rechtzeitig zu den Proben erschienen. Man weiß nicht, wie er das geschafft hat, doch zum Glück! Denn es funktioniert super, wie hier alle ihre Wahnsinnsfähigkeiten in Form von Eigenkompositionen in die Mitte schmeißen und zu einem opulenten, hochemotionalen Gefüge wachsen lassen, das manchmal klingt wie klassischer Jazz, dann mit den E-Gitarren und dem heftigen Rock-Bass wie klassische Fusion, sich hier und da aufbauscht und warm in Post-Rock à la E. Svensson Trio kulminiert (bei »Alive«). Die Magie setzt schon bei den ersten Noten ein. Die Paranoia wegen des »Changes«, der überall in der Luft liegt, schwindet, sobald die erste Welle an Sound brandet. Es folgt ein herzzerreißendes »Trompetensolo« auf »Must Concentrate«, dass man weinen möchte. Mal wird Tempo aufgenommen, dann vertieft man sich wieder in butterweichem Schwanengesang. Cuong Vu, von Frisells unverkennbarem Spiel begleitet: Immer, wirklich immer ist seine Begleitung großartig, selten soliert er autoritär und wenn, dann äußerst zurecht. Durchgehend klarer Sound, eine samtene Melancholie, herbstlich passend, dann die einsetzende, an Paul Motian gemahnende Besenarbeit Poors bei »Far From Here« verleihen dem Album einen erfüllenden Abschluss.