Zenial

»Connection Reset By Peer«

Zoharum Records

Nach sechs Jahren nun wieder eine VÖ des polnischen Experimentalelektronikers Lukasz Szalankiewicz aka Zenial. Die letzten Jahre waren voll von Konzerten zwischen Peru und Kasachstan, er veröffentlichte als Palsecam und als AABZU und betreibt das Label Autiotong. Erschienen ist »Connection« vor einiger Zeit auf dem polnischen Label Zoharum, auf dem auch Rapoon, Lagowski oder Maeror Tri erscheinen. Zenial ist seiner Richtung treu geblieben: Mit seiner »außer«-musikalischen Musik ist er einer der profiliertesten Soundwerker und Kulturdesperados Mitteleuropas. »Connection« vereint Live-, Installations- und Radioarbeiten, die bis 2004 zurückreichen. Es ist also mindestens ein perfekter Einstieg in die Klangvisionen Zenials. Weit mehr als über die Musik selbst, ist Zenial ein Diskurs über aktuelle Medientechnologie. Fieldrecordings, Radiowellen, Puls- und sonstige Telekommunikationsgeräte sind seine Instrumentarien. Was sich oft anhört wie lecke Starkstromkabel, die aufeinander losgelassen werden. Elektromagnetische Interferenzen und Entladungen erweisen sich als forschungsleitend, Zenial ist das missing link der nächsten Generation zwischen Pansonic, CM von Hausswolff und Francisco López. Gleich zu Beginn, in einem 14-Minuten-Stück, werden diese Ingredienzien dargelegt: Feedback, Frequenzanalysen, rudimentäre Beatgeflechte, Affirmation von Technik, weißes Rauschen, gegengefedert von Naturaufnahmen. Der zweite Track kommt – wenn man sein Dub-Projekt AABZU im Hinterkopf hat – sinnigerweise im »Lion of Juda«-Mix daher, um gegen Ende von einem Marinetti-Sample konterkariert zu werden. Stück Nr. 4 dokumentiert einen Mitschnitt des Live-Konzerts auf dem Audio Art-Festival in Krakau und die fünfte, die Schlussnummer, ist ein Remix des holländischen »4.-Welt-Instrumentalisten« (Frans de Ward) Michel Banabila. Man könnte auch »Medienjunk« dazu sagen, aber es ist ja genau diese Ausschussware, mit der die »Dritte Welt« konfrontiert ist. Schließlich befindet sich auf »Connection« auch noch ein Video von Radoslaw Deruba zu »Audiosfera«. Das Warten hat sich mehr als gelohnt.