Christy & Emily

Christy & Emily - Punk vs. Sophisticated, Folk vs. Jazz, Songwriting vs. Klangflächen = avancierte Kammermusik.

Das Duo aus Brooklyn verspricht eine spannende, in Verzückung versetzende Live-Umsetzung. Etwa am Mi., 22. 2. 2012 in der Wiener Fluc-Wanne.

Frauenduos aus dem Singer/Songwriting-Genre kriegen gerne mal den Deckel »bezaubernd«, »glockenhell« und »sanft« umgehängt. Und safteln sodann in (männlichen) Zuschreibungen von wehenden Haaren, Schmollmund und Blümchenkleid, auf dass sie gerne zu Valentin an die Liebste geschenkt (nach dem Motto: »super is‘ net, aber der Oiden gfoit’s«) und ansonsten in keinster Weise für voll genommen werden.

In Zeiten, da das Feuilleton ernsthaft über den Produktstart der Woche aus dem 1-Euro-Shop, Lana Del Rey, diskutiert, wundert das nicht weiter. Allerdings: So wird das mit diesem Duo nicht gehen, meine Herren.  Christy Edwards kommt aus der Punk-Noise-Ecke, Emily Manzo ist studierte E-Musikerin und interpretierte Neue Musik, John Cage und Konsorten. 2007 entstand das Debütalbum »Guenn’s Head«, nachdem Christy Emily als Ersatz für einen Keyboarder in ihrer Punk Band Lil’Figthers geholt hat, und direkt von Brooklyn ging’s nach Scheer zum Klangbadfestival. Weswegen Hans-Joachim Irmler seitdem produziert.  Genau, der von Faust.  
Wiewohl mit gewisser Reputation in der NY East-Coast-Szene behaftet, starten die beiden freilich nicht so richtig durch in good old Europe. Möglicherweise weil sie zu klar in ihrem Können stehen, werden sie, frei von sexy Party-Hipsterness und globalen Vermarktungsstrategien, schlicht nicht wahrgenommen. Dabei gibt das konstante interne Rangeln über den Sound, Punk vs. Sophisticated, Folk vs. Jazz, Songwriting vs. Klangflächen,  gerade auch live Einiges her.  

Die letzte Release mit Schlagzeuger und Bassisten gemahnt an Velvet Underground mit Einschlägen von Carla Bozulich, wobei der treibende Sound Mo Tuckers fehlt und die brutale Verzweiflung Carlas. Auf »Tic Tac, Toe« wird gerade heraus gesungen, und klar gespielt, mal klug, mal wütend, oft herausfordernd, aber nie lieblich.  Oder gar fragil. Hier gehen Könnerinnen zu Werke, die schlendernd Kammermusik für den öffentlichen Raum schaffen und gerade live spürbar in ihrer Spannung verzücken. Diese Woche in der Fluc Wanne: 22. Februar. Gehen Sie hin, denn Valentin ist vorbei, hier kommt der gute Rest des Jahres! Und, meine Damen, erinnern Sie dieses » Don’t be fooled by lover’s talk. Those are words you’ll hear again«.
 
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Christy&Emily:

»Tic Tac, Toe«

(Klangbad /Broken Silence)

Christy&Emily – Lover’s Talk by Klangbad 

Christy&Emily 22.02.2012 @ fluc 

» Nachbericht von Lukas Lottersberger