By Storm dürfte den meisten Hörenden wohl eher unter dem Namen Injury Reserve bekannt sein. Nachdem eines der drei Bandmitglieder, Stepa J. Groogs, während der Produktion des letzten Albums plötzlich verstarb, formierten sich die zwei verbleibenden Mitglieder Ritchie with a T und Produzent Parker Corey neu. Das letzte Album, »By the Time I Get to Phoenix«, wurde von Fans und Kritiker*innen für seinen neuen Zugang zu HipHop sehr gut bewertet. Während sich im Mainstream-HipHop vieles seit Jahren nicht wirklich weiterentwickelt, sondern weiterhin dem Trap-Schema folgt, drückte dieses Album ein Gefühl aus, das viele Fans von HipHop gerade wahrnehmen: »Trap-Fatigue«. Das Album von Injury Reserve wird daher oft unter dem Genre Post-HipHop geführt. Es nutzte zwar klassische Stilmittel, führte diese aber ad absurdum durch nahezu humoristische Verarbeitungen oder schlichte Zerstörung mittels Distortion oder Zersampelung. Auch auf dem neuen Album »My Ghosts Go Ghosts« ist dieser Ansatz zwar noch spürbar, aber es finden sich wieder etwas klarere Songstrukturen und HipHop-Gefühle. Neu hinzu kommen immer wieder folkig anmutende Gitarrenriffs, die als Basis für die abstrakten Beats fungieren, wie zum Beispiel auf dem Album-Opener »Can I Have You For Myself?«. Auch wenn traurige oder melancholische Sounds dieser Gruppe nie fern waren, so sind sie doch auf diesem Release so deutlich zu spüren wie nie zuvor. Auch finden sich Einflüsse aus modernem R’n’B, zum Beispiel fühlt man sich erinnert an Frank Oceans bittersweete Songmomente oder die cleveren Produktionstricks des frühen James Blake. Experimenteller und zerschossener geht das Album zu Ende mit den Tracks »Double Trio 2« und »And I Dance«. Sample- und Distortion-betonter und mit viel Lautstärke und Dynamik knallen diese zwei Tracks nochmal richtig raus, bevor der Track »GGG« wieder reduzierter und emotionaler das Album abschließt. By Storm schaffen es trotz dramatischer, erzwungener Neuausrichtung, ihrem Sound treu zu bleiben und dennoch etwas Neues zu schaffen. »My Ghosts Go Ghosts« ist eine leichter hörbare Antwort auf Trap-Fatigue als sein Vorgänger und bietet einen sehr gelungenen Vorschlag, in welche Richtung sich HipHop weiterentwickeln kann.
By Storm
»My Ghosts Go Ghosts«
Deadair
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