Matthew Dear

»Black City«

Ghostly International

Dieses Album spaltete die Musikmeinungen 2010 wie kaum ein anderes. Von Matthew Dears »ungelenker Stimme« war die Rede, von »seltsam gewickelten Quäk-Dance-Songs«, und überhaupt, warum blieb er nicht bei seinen Techno-Leisten? Gott sei Dank kann ein anderer Teil der Kritiker, ich zähle mich dazu, über solche Hirngespinste nur den Kopf schütteln. Hier handelt es sich um eines der gro&szligen Popalben unseres Jahres. Unbeirrt geht Dear den Weg des dunklen, verdrehten Elektropops (ohne all die dem Begriff manchmal anhaftenden Bubblegum-Ästhetiken) weiter, den er mit seinem 2007er Album »Asa Breed« eingeschlagen hatte. Geschichten einer schwarz-wei&szligen Stadt – Gotham und Sin City lassen grü&szligen – voll Abenteuer, Gefahren und Einsamkeit. Matthew Dears Baritonstimme, die sich wie selbstverständlich als weiteres Instrument in die Soundschichten einbettet, in all das Flirren, Brummen und Fliepen der tausend Stimmen dieser Stadt. Am schönsten ist die »Black City« für mich in ihren traurigen Momenten, wenn sich bei Songs wie »Slowdance« oder »Gem« die Einsamkeit in funkelnde, schwarze Diamanten verwandelt. Für den Techno, welchem Matthew Dear im letzten Jahrzehnt ebenso einige Sternstunden beschert hat, hat er unter seinen anderen Pseudonymen False, Audion oder Jabberjaw noch genug zu tun.