Belp

»Hippopotamus«

SVS Records/Jahmoni

Zu Beginn von »Hippopotamus« erfolgt die Abstrahierung von Reggae mit technoid-fluiden Dub-Bässen. Das klingt wie von Linton Kwesi Johnson sprechgesungene Dub-Poetry unter Wasser. Genialer Track: »Travelling Thru Galaxies«! Sebastian Schnitzenbaumer aka Belp lässt nach dem ein bisschen an Minimal Music andockenden Killertrack »Potential Noise« aber auch luftige Synthie-Schwaden emporsteigen, wobei darunter darke, Subbass-spacige Töne geschraubt werden: »Clinging To A Cloud«! Schnitzenbaumer, Eigner von Schamoni Music mit dem Sublabel Jahmoni, ist hörbar provinzielles Gebaren zuwider. So veröffentlichen bei ihm neben lokalen Artists wie Protein auch DJ Marcelle oder Aaron Spectre. Außerdem ist der Münchner gut vernetzt mit dem Dub-Studio Sausage in Hackney, London. Yes, afrikanische Wurzeln schlagen bei dem auf den Seychellen Geborenen durch, halten sich aber mit seiner ansonsten »bürgerlichen« Sozialisation (klassisches Piano) die Waage. So ertönt nach dem ziemlich experimentell ausufernden Stück »Transmission« das wunderhübsche A-Capella-Intermezzo »By Beauteous Softness«. Alexander Schneider singt Henry Purcell! Schnitt. Die B-Seite, falls Vinyl, offeriert mit dem »Neocosmic Space Dub« gleich ein wundersam flockiges Post-Dubstep-Stück, das genauso gut auf Hyperdub London veröffentlicht werden könnte. »Off Ending« bleibt zwar im Dance-Universum, jedoch schmieren sich breitwandig Synthies-Schlieren dazu. »Slow« gibt sich noch chilliger: Jungle-Beats werden von jazzig anmutenden Synthie-Bässen umflort. Auch »Time And Again« bietet verträumte Sphären und »Lost Candidates« einen beinahe cinemascopischen Fade-out. Hier waltet Vielfalt mit gelassener Grandezza. Nicht nur ein Album für laue Sommernächte, sondern jetzt schon einer der Jahreslieblinge 2018!