Ebony Bones

»Behold, A Pale Horse«

1984 Records

Was versteckt sich hinter dem Glam, den Ebony Thomas 2009 bereits auf ihrem Debüt-Album »Bone Of My Bones« überzeugend darbrachte? Exzentrik wirft tolle Bilder ab, doch 2013 verglüht der euphorische Eindruck von damals zunächst etwas. Großartig hebt der Zweitling mit einem bulgarischen Frauenchor-Sample an und schon wird die Grundrichtung des Albums zementiert. Sinister dräuende Streicherwolken, glorios eingespielt vom Mumbai Symphony Orchestra, mengen sich mit junglistic Dancefloorsounds. Für meinen Geschmack wird beim Großraumdiscosound von Madonna zu viel Anleihe genommen, wo in der Aufgeblasenheit zu viel Leere droht. Doch erweist sich »Behold, APale Horse« beim genauen Hören als vielschichtiger, mit Wendungen und mutigen Arrangements. Einzigartig ist etwa »What Difference Does It Make«, wo ein schmissiges Sing-A-Long-Pfeifen im Ohr haften bleibt und Ebony Bones sich sich im Call- and Response mit einem Kinderchor befindet. Verblüffend und tatsächliche eine Coverversion von The Smiths! Elemente aus Postpunk, Funk, Dub und Grime bereichern je nachdem die Songs, die Band ist versiert und die Produktion umsichtig. Der für mich gewöhnungsbedürftige, meist dunkel gewölkte, Bombastbegleitsound scheint eine Vorahnung davon abzugeben, dass die glitzernde Konsumwelt am Abgrund steht, weil die immer noch neoliberale Ausrichtung der Wirtschaft Gegenwehrpolitik ausgehebelt hat und die Mächtigen, die das Recht mit ihrem Geld zu ihren Gunsten biegen, nicht anders können, als Ressourcen verschlingend und Gemeinwohl zerstörend sowie Solidarität unterminierend weiterzumachen, als ob nichts geschehen wäre. Aber immerhin: Der punkig-jungleske »Neu World Blues« verheißt einen Ausweg.