Beat Connection

Zunächst dezent Unangenehmes: eine Compilation mit dem recht einfallslosen Titel »ELECTRIC POP 4« (Mofa/Neuton). Das Cover ist in den Farben Pink, Silber, Weiß und ein wenig Schwarz gehalten. Darauf zu sehen: irgendwie collagen-mäßig zusammengeklebt so’ne E-Gitarre und so’n Eighties-Girl mit irgendwie so’ner lustigen Eighties-Wave-Frisur. Wow! Voll trashig! Die Compilation versammelt dann ziemlich lieblos so einiges. Irgendwie elektrisch und irgendwie Pop halt. Von Electronicat, Warren Suicide und Röyksopp bis Chikinki oder Daft Punk reicht das Spektrum. Zugegeben, viele Stücke dieser Doppel-CD sind nicht eben die schlechtesten (die von Munk, Christopher & Raphael Just oder Alden Tyrell z.B.), viele leider schon. Abgefrühstückter Electro-Clash, auferstanden bist du von den Toten. Nun, party-tauglich ist das sicher, flasht auch. Für Leute, die sich jetzt nicht sooo für Musik interessieren. Muss man ja auch nicht, nur der Fairness halber. Weitaus erfreulicher ist da die Compilation mit dem doch eher pragmatischen Namen »C/O POP FESTIVAL COMPILATION« (c/o pop/Rough Trade). Es handelt sich hierbei um die, ja, Compilation zum Festival, das so heißt wie der CD-Titel verspricht und das in Köln das Loch füllt, das die Popkomm hinterlassen hat. Möglicherweise wird es demnächst Widerspruch und Kopfschütteln regnen, weil: anderes Konzept, andere Ausrichtung. Ungefähr stimmt das aber und außerdem: Es wurde schon ausführlich über die c/o pop berichtet. Die Compilation jedenfalls besticht durch die vermutlich von einem sicheren Händchen durchgeführte Track-Auswahl. Auf zwei CDs dominieren Techno-Acts aus Deutschland, Schwerpunkt Kölner Labels. Mit dabei u.a.: Ada, André Kraml, Michael Mayer, Ferenc, Villalobos, aber auch Annie oder The Go! Team. Besonders schön daran ist die Tatsache, dass hier fast ausschließlich rare Stücke, also B-Seiten/Remixes, versammelt sind, die bislang Vinyl-Fetischisten vorbehalten waren. Sehr gute, stimmige Zusammenstellung, über Messen begleitende Compilations darf man weiterhin geteilter Meinung sein.

Nun zur Klimax. Nach den Abteilungen »miese Compilation« und »sehr gute Compilation« jetzt die Abteilung »uneingeschränkt empfehlenswerte, weil total super Compilation«: »TOTAL 6« (Kompakt). Heuer kommt der jährliche Rückblick der Kompakt-Bande in schickem Grell-Orange, und es überrascht nicht, dass hier alles stimmt. Die Doppel-CD versammelt die Hits des vergangenen Jahres und einige exklusive Stücke, die wiederum auch separat als Vinyl zu haben sind. So ist wieder, rein produkt-technisch gedacht, allen gedient: den fleißigen Vinyl-Sammlern, die vermutlich schon viele der vertretenen CD-Tracks besitzen, genau so wie jenen, die sich mittels CD einen Überblick darüber verschaffen wollen, was so geht in Sachen Techno. Und da ist Kompakt immer noch ganz vorne. Neben den alten Bekannten wie Köhncke, Mayer, Superpitcher, Voigt etc. sind auch Neuzugänge wie The MFA und Baxendale vertreten, deren »I Built this City« einer der besten und poppigsten Kompakt-Tracks ever ist. Perfekt.

Wir bleiben im gleichen Laden. Wer ist der Typ, den alle gut finden? Ja, das ist der Kosi. Stefan Kozallas erstes Album unter seinem bekanntesten Namen, DJ KOZE, heißt »Kosi Comes Around« (Kompakt/Ixthuluh) und ist eine zärtliche Bombe. Alles drauf, wofür man KOZE liebt: Pulsierende Dancefloor-Tracks, wohlige Ambient-Ausflüge, ein wenig Sägezahn und viel mehr Pop. Albernheiten sind auf ein Minimum reduziert. Dabei wirkt das Album so locker aus dem Ärmel geschüttelt, dass es fast schon beängstigend ist, wie sich hier Hit um Hit die Hände reichen. Ein positiv besetzter Superlativ ist angebracht. ANDI TEICHMANNs erstes Solo-Album »Fades« (Festplatten/Kompakt/Ixthuluh) ist ein kleines Freudenfest. Als eine Hälfte der DJ-Brüder Gebr. Teichmann, Mitbetreiber des Techno-Labels Festplatten oder Schlagzeuger der Indie-Pop-Band beigeGT dürfte er es schon zu einiger Bekanntheit gebracht haben, auf »Fades« verarbeitet Teichmann nun Einflüsse aus seinen unterschiedlichen musikalischen Tätigkeitsfeldern. Trockene Techno-Bretter, Ambientstudien und warme Downtempo-Stücke sind hier ebenso zu finden wie eine sanft gezupfte Gitarre und astreiner Techno-Pop mit Gesang. Alles recht bunt zusammengewürfelt, passt trotzdem. Ein wunderbares Album, durchzogen von infektiöser Melancholie, schließlich ist ja auch bald Weihnachten.