Beady Eye

»BE«

Columbia

Eigentlich sollte man der Gallagher-Oaschwarzn ja gar nicht mehr allzu viel Beachtung schenken. Gesammelt würden seine Anmaßungen und Beleidigungen quantitativ wahrscheinlich Prousts »Auf der Suche nach der Verlorenen Zeit« in den Schatten stellen. Für die Musik bleibt da wenig Platz, was sich in den letzten Jahren (manche sagen Jahrzehnten) qualitativ auch gezeigt hat. Aber wenn Liam Gallagher dann doch wieder mal ein Album herausbringt (mit welcher Kapelle auch immer), ist ihm die Aufmerksamkeit der Fans und Kritiker sicher. Als Vertreter der zweiten Kategorie muss man da wiederum aufpassen, die persönliche Antipathie nicht zu sehr den Wortfluss dominieren zu lassen. Es ist ja nicht undenkbar, dass »BE«, das neue Album von Beady Eye, gute Songs enthält. Im Gegenteil, die Platte ist streckenweise sogar erstaunlich gut. Oder ist es vielleicht doch nur die niedrige Erwartungshaltung…? Aber von Anfang an: Nachdem »Different Gear, Still Speeding«, das Debüt von Oasis minus Noel Gallagher, relativ bescheiden rezipiert wurde und Ehebrecher Noel mit seinen High Flying Birds zumindest in puncto Songwriting die Kurve eher zu kratzen vermochte als sein Bruder waren Beady Eye künstlerisch schon wieder abgeschrieben ehe sie richtig Fuß fassen konnten. Im Licht dieser Tatsache ist »BE« eine kleine Ûberraschung. Schon die das Album eröffnende Single »Flick of the Finger« mit ihren Bläsern und der Spoken Word-Passage war in dieser Form nicht zu erwarten, bezieht jedoch genau daraus ihren Reiz. Auch sonst enthält »BE« manch Anständiges. Der harmonische Pop von »Iz Rite« verdankt zwar den Charlatans viel (man höre sich nur einmal deren »North Country Boy« an…), kann letztlich aber überzeugen ohne Plagiat zu sein. »Soon Come Tomorrow« ist in seiner spacefolkigen Bescheidenheit beinahe nicht mehr als Gallagher-Song zu erkennen und das feine »Soul Love« ist nachgerade psychedelisch geraten. Was die beste Oasis-EP seit Jahren hätte werden können enthält aber dann doch auch das befürchtete Mittelmaß. Da wäre beispielsweise »Face The Crowd«, das gar nicht versucht seine schon im Titel anklingende Klischeehaftigkeit zu kaschieren. Andernorts geht es einfach nur fad zu (»Don’t Bother Me«) oder gleitet, vor allem in den Lyrics, ins Lächerliche ab (»I’m Just Saying« mit seinen »one-two-three-you-and-me«-Chören). Dave Sitek von TV On The Radio hätte man angesichts der so präsentierten Dutzendware nicht unbedingt als Mann hinter den Reglern vermutet, aber ein Produzent kann eben nicht über die Band mit der er zusammenarbeitet hinauswachsen, auch wenn anhand solcher Typen wie Rick Rubin gerne das Gegenteil behauptet wird. Ûbrig bleibt ein Mix der Gefühle, der aber einen Totalverriss – sie glauben ja nicht wie viel Spaß KritikerInnen an so etwas haben – nicht gerechtfertigt hätte. Die Oasis-Reunion wird dennoch kommen. Und zwar relativ bald und mit Trara. Ich tippe frei heraus auf Herbst 2014. So gut ist »BE« ganz einfach nicht.