Arbeitswelten

Workingman\’s Death ist der neue, beeindruckende Dokumentarfilm des österreichischen Regisseurs Michael Glawogger: Er zeigt Arbeiter in der Ukraine, Indonesien, Nigeria, Pakistan und China.

1935. Der sowjetische Arbeiter Aleksej Stachanow baut in einer Schicht 102 Tonnen Kohl ab und wird zum Held der Arbeit. Zeitsprung: Ukraine im 21. Jahrhundert. Es ist Winter. Von solchem Arbeiterheldentum sind die Bergleute, die in einer illegalen, ehemals sowjetischen Kohlegrube heute das schwarze Gold abbauen, weit entfernt. "Unsere Motivation ist eine andere: Wir arbeiten, um zu überleben", sagt einer von ihnen.

Schwefelabbau in Indonesien

Ein Motto, das sich auch durch die weiteren vier Episoden zieht: Egal ob bei den Werftarbeitern in Pakistan, die hauptsächlich mit ihrer Muskelkraft arbeiten und riesige Frachtschiffe verschrotten. Eine lebensgefährliche Arbeit. Oder die Schwefelarbeiter auf der indonesischen Insel Java, die Schwefel auf einem Vulkan abbauen und sich vor den Dämpfen mit Fetzen und Tüchern zu schützen suchen. Sie tragen Körbe mit bis zu 115 Kilo Schwefelgestein den Berg hinunter. Immer wieder stürzte einer in den Vulkan und stirbt..

Open Air Schlachthaus

Port Harcourt, Nigeria. Eine Ansammlung von Tausenden Menschen. Unter offenem Himmel. Rasch wird klar, worum es geht: Es ist ein Schlachthof, zu dem Tierbesitzer ihr Schlachtvieh hinbringen und in Stücke zerlegt wieder abtransportieren: Hier wird eine Kuhkopf durch den schlammigen Boden geschleift, da ein Stück Haut oder Innereien angeboten, dort stehen noch lebende Tiere, zwischen Ziegen in den letzten Todeszuckungen. Kein schöner Ort. Glawogger gelingt es die bedrückende, aggressive Atmosphäre des Ortes einzufangen.

Eindrucksvolle Bilder

Sie alle arbeiten zwar fleissig, mehr als das blosse Überleben können sie damit aber kaum sichern. Glawogger zeigt eine Arbeitswelt abseits von Großraumbüros, Aktienkursen und Wolkenkratzern, die aber genauso Realität ist. Und das ist das große Verdienst des Films. Besonders zu loben ist die Arbeit von Kameramann Wolfgang Thaler, der die Kamera auch in Extremsituationen immer richtig einzusetzen weiss und so endrucksvolle wenn auch beklemmende Bilder schafft. Ein wichtiger FIlm, der einen nicht kalt lässt und der an Glawoggers Megacities (1998) anschließt. 

Demnächst in den österreichischen Kinos.

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