Paul Brody's DetoNation Orchestra

Animals And Cowboys

NRW

»All music is folk music, I ain?t never heard a horse sing a song« (Louis Armstrong). Um Folk Musik geht es auch auf der aktuellen CD von Paul Brody und seinem DetoNation Orchestra. Genauer gesagt um nordamerikanische Folk Musik, die, sieht man vom Blues ab, eine relativ sparsam verwendete Inspirationsquelle für zeitgenössische MusikerInnen ist. Ein auf einem Flohmarkt in San Francisco erstandenes Liederbuch diente dem in Berlin lebenden Trompetenspieler Paul Brody als solche. Gekauft, um für etwaige Heimwehattacken während des kalten Winters in Deutschland gewappnet zu sein, begann er, den darin enthaltenen Jagd- und Liebesliedern, den Cowboygebeten wie auch den Nonsens-Reimen ein neues musikalisches Gewand zu verleihen. Er selbst bezeichnet diesen Vorgang als »recomposing«, ein Wiedergeben von Mythen eines, sowohl räumlich als auch zeitlich, weit entfernten Amerika, vermischt mit eigenen Erinnerungen.
»Wo der Déjà-vu sich in Erinnerung verwandelt, entsteht Musik« (Paul Brody). Eröffnet wird dieses erstaunliche Album mit einem kurzen »Groundhog’s Prayer« und dem darauf folgenden »Groundhog«, einem Jagdlied zur Feier des Murmeltiertages. Die Vocals werden von David Moss, der auf fast allen Songs zu hören ist, gesprochen, gesungen, gezischt, geraunt, geflüstert und gecroont; eine wahrhaft unvergleichliche Stimme. Auch der nächste Track, »Cowboy’s Dream«, ein Selbstgespräch eines Cowboys, der am Prärieboden liegend über das jüngste Gericht sinniert, wird hauptsächlich von David Moss‘ dreifach übereinander gelegten Vocals getragen, melancholisch begleitet von Gitarre und Violine. »The Banks Of The Little Eau Pleine« ist ein wunderschönes Liebeslied, eine sanfte, zerbrechliche Trompetenmelodie, um die sich David Moss‘ und Gayle Tufts Stimmen flüsternd schmiegen. Es folgt »Reuben Ranzo«, ein Nonsens-Song als Duett für Trompete und Stimme über das Leben des Matrosen Reuben Ranzo. Brody spinnt in dem von ihm komponierten »Ranzo’s Sea Voyage« die Geschichte weiter, lässt Ranzo, begleitet von Tuba, Bassklarinette und Trompetenfanfaren, auf eine lange Seereise gehen und später zu Gitarrenklängen in einem Sturm kentern und ertrinken.
Zu den weiteren Highlights gehören der Gefängnissong »Silvy«, in dem die tiefen Blechblasinstrumente dunkle, bedrohliche Wolken aufziehen lassen, oder auch das Trauerlied »Brave Wolf« in Form einer herrlich schräg intonierten Ballade über James Wolfe, einen 1759 im Kampf zwischen England und Frankreich gefallenen Captain. Ausrutscher gibt’s hier sowieso keine; Paul Brodys Arrangements sind geschickt angelegt, lassen die Originale neu auferstehen, ohne dass billige Leichenfledderei betrieben wird, lassen seine eigenen Erinnerungen, wie auch die der beteiligten Musiker, einfließen, ohne in Richtung sentimentaler Kitsch abzudriften. »Erinnerung ist eine Rundumleuchte. Sie ist schrill, wenn wir schweigen. Erinnerung ist eine Trompete. Eine Trompete« (Paul Brody). Uneingeschränkt empfehlenswert!

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