Amado / McPhee / Kessler / Corsano

»A History of Nothing«

Trost Records

Das Albumcover von »A History of Nothing« ziert ein dunkelhaariger Lockenkopf auf einem Ast, der mit seinem Schweizer Armeemesser von Victorinox einen Speer schnitzt, mit dem er später einen Rhesus-Affen erlegen wird. Es könnte demnach auch »A History of No One« heißen, die Geschichte eines Einsiedlers, der im Dschungel auf eigenen Pfaden unterwegs sich treiben lässt, ab und zu mit den Schlangen und Skorpionen spricht und ein fröhliches Leben fristet. Der erste Song legt nahe, es handele sich hier vordergründig um ein Werk von Rodrigo Amado, der Hauptprotagonist des Albums ist. Die Mitmusiker halten sich angenehm zurück, selbst Chris Corsanos Schlagzeug wirkt über weite Strecken sogar hintergründig, bloß unterstützend. Kommt es dann aber zu einer Auseinandersetzung zwischen den Mitgliedern der Formation, also zum Beispiel zwischen Amados Tenorsaxophon und Joe McPhees Taschentrompete, wirken die Streitgespräche doch äußerst eloquent und aneinander interessiert. Es wird mitunter hektisch, wild gestikulierend, Ausdruck pur, doch finden sie immer wieder zu sich selbst zurück. Schöne Melodieverläufe – vor allem eben von Amado – geben dem ganzen auch wieder eine gewisse Harmonie, die sich ja von weitem oder auch im Kleinen auch im wilden, anarchischen Urwald immer wieder finden lässt. Die Spannung hält sich bis zum Ende, den ausufernden Attacken von Alleingängen wird immer wieder Einhalt geboten von galant zusammenspielenden Musikern, die selbst bei ihren Höhepunkten völliger Freiheit nicht die Band vergessen. Die bei neuem Free Jazz oftmals empfundene Beliebigkeit aus fehlender innerer Form will einfach nicht aufkommen. Aber nein, hier ist niemand auf sich allein gestellt, die Kompositionen stammen aus der Feder aller Beteiligten (Kent Kessler am Bass fehlt noch in der Beschreibung), sie sind zusammen auf dem Survival-Trip. Natürlich wird Corsano wieder laut, natürlich wird der Bass ausufernd und bekommt seinen Part, genauso wie auch McPhee an Trompete und Sopransaxophon experimentieren darf. Aber alles im Rahmen und äußerst zugänglich. Höhepunkt und/oder Anspieltipp: »Wild Flowers«. Amado spielt zum Weinen schön. Fazit: Ja, ja, jaa!