Altin Gün

»Gece«

Glitterbeat/Hoanzl

Ethno-Crossover hat es selten leicht, nicht irgendwie lächerlich zu klingen. Meist schlagen die Versuche, klassische Musikrichtungen mit Popmusik zu verbinden, völlig fehl. Ein positives Beispiel ist Kula Shaker, Londoner Psychedelic-Pop- Band, die sich zu ihrer klassischen Rock-Instrumentierung noch klassische Instrumente aus Süd-Ost-Asien hinzuholt. Das heißt dann Raga-Rock. Eine ähnliche Richtung schlägt Altin Gün (deutsch so viel wie »Goldener Tag«) aus den Niederlanden ein. Mit ihrem zweiten Album »Gece« setzt die Band dem – wie Raga-Rock in den 1960er-Jahren entstandenen – Anatolian Rock ein Denkmal. Funky frischer, türkischer Sound, und keine*r der Künstler*innen kommt gebürtig dort her. In diesem Psychedelic-Feuerwerk, den überragenden Synthie-Ohrwürmern, den von Gitarren hintermalten Gesangslinien und der elektronischen Saz (dreisaitige Laute) kommt man nicht umhin, vor Gänsehaut dahinzuschmelzen. Die Sounds haben eine Zeitreise von mehr als 60 Jahren hinter sich und nichts von ihrer Energie eingebüßt. Es klingt noch ebenso fresh und cool, voller Lebensfreunde, wie es damals klang, als die Experimentator*innen mit Substanzen in der Sonne neue Effekte und Musikrichtungen erforschten und diese lieblichen Melodeyen wie Sternenstaub in die Welt versprenkelten. Jeder Song ist Gold.