MV&EE

»Alpine Frequency«

Feeding Tube

Der sonnig bekiffte Free Folk des Hippie-Pärchens aus Brattleboro/Vermont ist allerfeinste Kolonialware für Eingeweihte, denn sie rocken nicht meinungsstark durch die free world wie Neil Young, auch wenn ihr Sound Anleihen bei Young nimmt. Und im Vergleich zu den kosmisch-ausufernden Improvisationen von Matt Valentine und Erika Elder wirken selbst Grateful Dead-Jams strukturkonservativ. Seit einer gefühlten Ewigkeit verliert sich das Duo in einer LSD-getränkten Soundwelt – kein Gitarren-Solo ist zu lang, keine Melodie zu verspult – und »Alpine Frequency« stellt da keine Ausnahme dar. Selbstvergessen, buchstäblich »lost in music« steht die Musik dem Free Jazz näher als der Americana, die aufgrund der Instrumentierung (Gitarren, Schlagzeug, Bass, diverse Effekte) der Songs als Genre näher liegen mag. Eine gute Viertelstunde lang will beispielsweise »Come Around« überhaupt nirgendwo hin, es kreist gemächlich um sich selbst – und das ganze Album hat es ohnehin und über die knapp achtzig Minuten Spielzeit nicht eilig. Zum Vergleich können eigentlich nur die schläfrigsten Momente (B-Seite von »Cats And Dogs«) der jüngst für (bislang) einen Gig reformierten Royal Trux herhalten, die ein ähnlich säurehaltiges Soundgemisch zusammenbrauten. Musik, die sich selbst genügt. Die esoterische Soundwelt von MV&EE ist jedoch keine gated community weltabgewandter Luxus-Aussteiger – dass da mal kein Missverständnis in der Rezeption entsteht! Man muss sich den Zugang allerdings erarbeiten, und das ist angesichts der über hundert veröffentlichten Tonträger keine kleine Aufgabe. Hinzu kommt, dass, zumindest im Falle von »Alpine Frequency«, der Weg ein sehr kostspieliger ist, sofern man Wert darauf legt (und es sich leisten kann), die Musik im Format der Schallplatte zu erwerben. Der auf 500 Exemplare limitierte Tonträger kostet per US-Direkt-Import schlappe 50 Euro. Weniger exklusiv ist da der Zugang via Download, der für unter zehn Euro zu haben ist. So oder so wirft man sein Geld für »Alpine Frequency« nicht zum Fenster heraus – über die absurde Situation im Marktsegment »Vinyl« kann man sich nebenbei auch noch Gedanken machen.