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Alan Vega

»Alan Vega« / »Collision Drive«

Sacred Bones

Vor dreißig Jahren wurden die beiden Alben »Alan Vega« und »Collision Drive« auf dem von Henry Rollins und Rick Rubin kuratierten Label Infinite Zero zusammen auf einer CD veröffentlicht und mit den Worten »a Sun session gone intergalactic« beworben. Diese knappe Einordnung passt nach wie vor. In den Sun-Studios von Sam Phillips in Memphis, Tennessee entstanden unter anderem frühe Aufnahmen von Elvis, Carl Perkins und Roy Orbison, die den Sound des klassischen Rock’n’Roll und Rockabilly prägen sollten, und Alan Vegas Soloalben aus den frühen 1980er-Jahren bedienen sich dieser Ästhetik und packen sie in ein futuristisches Soundkleid, das auch 2025 noch wie vom anderen Stern klingt: reduziert aufs Wesentliche, beschleunigt, ohne in Hektik zu verfallen, verführerisch, ohne sich anzuwanzen, plakativ, ohne platt zu wirken – in einem oder zwei Worten: souverän bzw. cool. Cooler geht’s nicht. Im Vergleich zu Suicide sind die Lieder weniger in Geräuschen verborgen, sie wirken so auf den ersten Eindruck vielleicht nicht so avantgardistisch, sind aber bis in die Gegenwart hinein ebenso prägend wie Alan Vegas Sound im Duo mit Martin Rev. Man höre zum Beispiel eines der letzten Alben von Escape-Ism, und schon wird klar, wo sich Ian Svenonious’ minimalistisches Rock’n’Roll-Projekt stilistisch anlehnt. Schaue ich also heute zurück, stelle ich fest, dass Elvis’ erste Veröffentlichung über siebzig Jahre zurückliegt und die beiden Soloalben von Alan Vega auch schon über vierzig Jahre auf dem Buckel haben. Es ist daher auch keine Phrase, wenn ich sage, sie haben den Test bestanden, sind nicht nur gut, sondern sehr gut gealtert und klingen nach wie vor frisch und inspirierend, sind Klassiker, auch wenn sie nicht so kanonisch im popkulturellen Mainstream verankert sein mögen wie das Frühwerk von Suicide. »Jukebox Babe«, »Raver«, »Fireball«, »Kung Fu Cowboy«, »Speedway« – griffige Titel, nur Hits; nicht zu vergessen das fiebernde »Viet Vet«. Ich weiß nicht, ob Sacred Bones, das New Yorker Label, das die beiden Soloalben jetzt einzeln auf Vinyl wieder veröffentlicht hat, plant, den ganzen Back-Katalog von Alan Vega aufzuarbeiten? Ich würde aller hier zur Schau gestellten Begeisterung zum Trotz behaupten, dass sich das nicht in jedem Fall lohnt, aber dass die ersten beiden Soloalben jetzt wieder vorliegen, ist richtig, wichtig und gut.

Home / Rezensionen

Text
Holger Adam

Veröffentlichung
26.01.2026

Schlagwörter

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