The War On Drugs

»A Deeper Understanding«

Warner

Wer Amerika noch nicht komplett abgeschrieben hat, mag The War on Drugs. Mit einem großen Hund auf einer riesigen Veranda sitzen, Bier trinken und darüber nachdenken, wie es sich anstellen lässt, im Leben zu den Guten zu gehören. Damit wäre in etwa das Programm der Indie-Rocker aus Philadelphia beschrieben. Das uralte Problem jeder Rock-Band, dass es nur eine recht begrenzte Anzahl von griffigen Kombinationen von dr, g, b, voc und org gibt, lösen sie mit einem geschmeidigen Eklektizismus. Es klingt manchmal ein bisschen nach den Traveling Wilburys. (Für die Spätgeborenen: Diese Supergroup war der sehr gelungene Versuch einiger der größten US- und Brit-Rocker, die Band der Muppet Show nachzustellen.) So zieht Adam Granduciel auch die Vokale wie Bob Dylan in die Länge und erzeugt eine coole Pressstimme. »I can feeeeeeel.« Der freche Vergleich zu den Wilburys ist insofern statthaft, als das Grundgefühl von The War On Drugs jenes der sentimentalen Erinnerung ist. Und das können sie wirklich gut. Wer die Platte hört, beginnt unwillkürlich, im Geiste einen schläfrigen Golden Retriever zu streicheln. Alles ist glatt und schön. Gut gewobene Gitarrenteppiche, perfekter Sound, feine Melodien, ständig treiben die Drums und klopfen genau in die Mitte. Ja – meisterlich. Allerdings, ist das ein bisschen Musik von Menschen, die bereits mit Bart geboren wurden. Auch sind die Lyrics ein wenig um ominöse Vieldeutigkeit bemüht und suggerieren eher lebensschwere Erfahrungen, als dass sie welche vermitteln könnten.

Mit dem 2014er-Album »Lost in the Dream« galten The War On Drugs als die Band der Stunde, was wohl mehr über den Zustand des Musikjournalismus aussagt als über die echte »Bedeutung« des Albums. Es scheint, als könne sich nur mehr mit Superlativen Gehör verschafft werden – bzw. scheinen viele dies zu glauben. Bei skug natürlich nicht, wir sehen noch den kleinsten Schönheitsfleck und wissen, letztlich haben alle Produktionen ihre Stärken und Schwächen. Ob mit dem besoffenen Hype der Band und ihrem »Mastermind« Adam Granduciel ein Gefallen getan wurde, darf bezweifelt werden. Der spürte wohl den übergroßen Druck und wollte ein weiteres perfektes Album nachliefern. Beim Versuch den Anspruch anderer zu erfüllen, geriet er wohl etwas ins Pfriemeln. Anzuhören ist dem Album der gewundene Entstehungsprozess allerdings nicht. Der glatte Guss der Platte könnte ebenso das Ergebnis des Jammings einer hochtalentierten Gruppe befreundeter Musiker sein (siehe Wilburys).

Der Bandname ist zumindest einer der gelungensten in der Indie-Szene. Der »War on Drugs« wird soeben wieder von der rechtsautoritären Regierung unter Trump ausgepackt. Grund genug, kurz an seine Entstehung zu erinnern. Die Nixon-Administration befürchtete Ende der 1960er-Jahre Solidarisierungseffekte gegenüber der Hippie-Bewegung und jener der Schwarzen-Emanzipation. Deswegen suchte man nach einem Keil, der zwischen diese politisierten Gruppen und die Mehrheitsbevölkerung getrieben werden konnte. Wider besseres Wissen wurden die Gefahren des Drogenkonsums übertrieben und DrogenkonsumentInnen als niemals zurechnungsfähig dargestellt. Bis heute halten biedere US-Bürger Kiffer für gewalttätige und gefährliche Irre. Die eigene Brutalität, die bei der Durchsetzung der polizeistaatlichen Maßnahmen angewendet wurde, unterstellte man den Abhängigen – als ob noch niemandem aufgefallen wäre, dass gerade Drogenkranke lethargisch und in sich gekehrt sind. Republikanische Kreise gaben diese Schläue später unumwunden zu und verbuchen sie bis heute als gelungene Aktion. Netter Kniff mittels des Bandnamens an diese politische Schweinerei immer wieder zu erinnern.