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One Leg One Eye

»Crone«

AD 93

One Leg One Eye ist ein Projekt von Ian Lynch, der auch bei Lankum involviert ist. Die sind mit ihren letzten beiden Alben über musikalische Randbezirke hinaus bekannt geworden. Einen ähnlich breitenwirksamen Eindruck werden One Eye One Leg eher nicht hinterlassen können, denn die Musik ist dafür zu sperrig, die beliehenen musikalischen Wissensbestände sehr esoterisch. Aus historischer Sicht findet sich das Projekt im selben verwunschenen Klangwald wieder wie Current 93 mit »Dogs Blood Rising« oder Cyclobe mit »Wounded Galaxies Tap at My Window«. Die Musik ist finster, thematisiert diffus okkulte Umtriebe und changiert zwischen Genres wie Dark Ambient, Noise, Post-Industrial und Folk-Music. Lasse Marhaug ist für das Mastering der Aufnahmen verantwortlich, auch das als Hinweis auf die brachiale Natur der vier vor sich hinbrütenden Kompositionen. So recht weiß ich nicht zu bestimmen, ob das musikalische Ritual Unheil beschwören oder abwenden soll. Vielleicht kann das auch dem individuellen Gebrauch überlassen werden. Wer also in der Küche der heimischen vier Wände oder am Lagerfeuer draußen demnächst ein Opfer zu bringen gedenkt und seinem Schicksal (auf eigene Gefahr) mittels teuflischer Pakte oder sonstiger Anrufungen auf die Sprünge helfen möchte, der hat mit »Crone« einen passenden Soundtrack zur Hand, um Kontakt zu unsichtbaren Mächten aufzunehmen. Das mag, wie eingangs erwähnt, nicht jedermanns Sache sein. Das hermetische Wüten an elektronischen Instrumenten wird ungeübten Ohren als reiner Krach oder mäanderndes Gemurkse erscheinen. Andererseits aber findet sich eine ähnliche Klangästhetik, wie One Leg One Eye sie pflegen, nicht selten eingebettet in Folk-Horror-Filme. Immer dann, wenn sich im Dunkeln regt, was Verderben bringt, kratzt, knistert und dröhnt es unheilvoll in der Tonspur, erklingen akustische Warnsignale, die jedoch in aller Regel, so wie das (noch nicht entdeckte) Geheimnis, eher anlocken denn abschrecken. Neugier bringt nicht nur der Katze den Tod … Wer sich in diesem Sinne gerne gruselt, ist daher eingeladen, mit One Eye One Leg einen unheimlich stimmungsvollen Sommerabend zu verbringen. Weder samtpfotige Vierbeiner noch andere arme Seelen werden dran glauben müssen, denn nach knapp 40 Minuten ist der Spuk vorüber. Für diese Zeit aber kann man an »Crone« viel finstere Freude haben.

Home / Rezensionen

Text
Holger Adam

Veröffentlichung
29.05.2026

Schlagwörter

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