Peter Thiel © Gage Skidmore, Flickr, CC BY-SA 2.0
Peter Thiel © Gage Skidmore, Flickr, CC BY-SA 2.0

Wenn man vom Teufel spricht …

Die Wiener Festwochen überlegen, ob sie dem Tech-Milliardär Peter Thiel ein Forum bieten, und wollen darüber demokratisch abstimmen lassen. Warum es nicht gescheit ist, Demokratie und Religionskritik als Farce aufzuführen.

Peter Thiel gab unlängst dem konservativen Flügel der »New York Times« ein langes Interview. In der größten US-amerikanischen Tageszeitung ist man Freakshows nicht abgeneigt und wollte sich mal anhören, was sich der Investor so alles zu Satan und Weltuntergang zusammengereimt hat. Das Interview blieb intellektuell schlicht. Ob er wirklich Greta Thurnberg für den Antichrist hält – also ernsthaft? –, kann er dann doch nicht so eindeutig mit »Ja« beantworten, wie sich manche gewünscht hätten. Es lohnt aber nicht, in diese Gedankenwelt einzutauchen, weil sie entweder Ausdruck einer banalen Psychopathologie ist, eines Mannes, der zu reich und zu mächtig ist, als dass ihm noch wer sagen würde, dass er ein Rad abhat, oder eben ein simpler Betrug. Die Tech-Bros rund um Thiel wollen ihre Investments schützen (dafür hat die »New York Times« volles Verständnis) und deshalb werden Menschen, die sich Reglementierungen wünschen (Thurnberg), eben kurzerhand verteufelt. Mehr ist da nicht dahinter. 

Mit den falschen Vorbildern aufgewachsen

Peter Thiel, Elon Musk und Co. sind ein Haufen nicht mehr ganz junger weißer Männer, die sich, weil sozial limitiert, in Sci-Fi-Bizarrerien geflüchtet haben (»The Matrix« etc.) und irgendwann nicht mehr kapierten, dass eine mehr oder minder schlaue Metapher eben eine Metapher ist. Sie glauben, die ganze Welt sei eine Simulation (Musk) oder wir kämpfen ein letztes Gefecht gegen Satan (Thiel), weil sich der »Lügner von Anbeginn« die Kollektivierung auf seine flammenden Fahnen geschrieben habe. Kurzum, die Welt der Tech-Bros wäre heute eine andere, wenn die Burschen damals »Die Waltons« oder »Meine kleine Farm« geschaut hätten, aber das fanden sie vermutlich zu uncool. Dann wüssten sie allerdings heute von den Freuden des Miteinanders und solches Zeug. Dazu ist es jetzt wohl zu spät. Die Frage ist, warum der Rest der Welt sich mit den Blödheiten dieser Herren herumschlagen muss und warum die Wiener Festwochen diesen Auswüchsen eine Bühne bieten wollen. Genau deshalb darf am Freitag, dem 29. Mai 2026 im Wiener Volkstheater diskutiert werden und vielleicht wird dann Thiel doch noch ausgeladen. Große und dramatische Geste! 

Weder Gott noch Teufel

Das Ganze hat mehrere kapitale Baufehler. Zunächst sind die Wiener Festwochen zu beglückwünschen, dass sie sich diese schlaue Werbekampagne passend zu ihrem diesjährigen Thema »Republic of Gods« ausgedacht haben. Aber es ist und bleibt eine Geschmacklosigkeit, einen vermutlich seelisch schwer leidenden Menschen wie Peter Thiel vor den Vorhang zu zerren. Zumal er, im Rampenlicht seine verquasten Thesen schwingend, andere seelisch labile Menschen triggern könnte. Erinnern wir uns lieber an die Errungenschaften der Aufklärung. Kurzversion: Es gibt keinen Teufel. Es gibt auch keine Hölle und ewige Verdammnis etc. Das sind alles dank historisch-kritischer Aufarbeitung hinreichend analysierte Rachefantasien eines militärisch unterlegenen Volkes (siehe Nietzsche et al.), die uns nicht jucken müssen. Ein viel interessanteres Thema ist hingegen die Realität. Vielmehr der Kampf um sie. Der wird durchaus mit Glaubensinhalten geführt und deshalb ist der Dialog mit Religionen wichtig. Gerne also auch Theolog*innen einladen, nur sollten die sich geflissentlich von Psychopathologien oder Betrügereien abgrenzen. Es gibt authentische spirituelle Erfahrungen, es gibt möglicherweise Offenbarungswissen. Man muss allerdings selbst ein Rad abhaben, wenn man annimmt, Thiel verfüge darüber. Warum sich dann auf so ein Schmierentheater einlassen?

Nicht mit ihm, sondern über ihn

Es lohnt nicht, sich mit den »Thesen« Thiels zu beschäftigen. Die gehören entweder behandelt oder sind schäbiger Betrug, weil er den Kram selbst nicht glaubt. Wir sollten lieber über ihn reden und abklären, wie wir dafür sorgen, dass Thiel, Musk und Co. Steuern zahlen, Arbeitnehmer*innenrechte wahren, Umweltauflagen einhalten und sogleich ist der Teufel zurück in der Kiste. Leute wie Thiel haben nur die Macht, die wir ihnen gewähren. Dem Spuk der Tech-Bros könnte leicht ein Ende gemacht werden, indem endlich Reglementierungen für KI durchgesetzt werden, indem Unternehmensgewinne fair besteuert werden, indem Reiche einen angemessenen Beitrag leisten, der ihnen vielleicht dabei hilft, nicht in Wahnwelten abzuschwirren. Eine Reichensteuer, wie sie etwa aktuell Gabriel Zucman vorschlägt, würde helfen, damit endlich wieder Geld für das Gemeinwesen da ist und Ausgleich geschaffen werden kann. Da ist alles kein Spuk und keine Zauberei, das stützt die Demokratie und den Rechtsstaat. Die Menschen müssen sich nur an ihre eigene Stärke erinnern, dann fürchten sie weder Tod noch Teufel.

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