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Auftakt zum ABC der »Kulturkämpfe«

Unsere Jahresartikelserie ist eine Gemeinschaftsarbeit. Beim Workshop am Donnerstag, dem 21. Mai ab 16:30 Uhr im RundPunkt 11 gehen wir lustvoll die ersten Begriffe durch. Bringt eure eigenen Fragen, Einwände und Begriffe mit!

Ein Online-Magazin wie skug folgt einem heute altertümlich erscheinenden Bedürfnis: Es ringt um Übersicht. Eine Übersicht, von der alle Beteiligten sofort sagen, sie lasse sich nicht erreichen – und dennoch streben wir danach. Selbstverständlich kann niemand alle Neuerscheinungen lesen, hören oder anschauen, aber die, denen sich skug gewidmet hat, versuchen wir einzuordnen. Nicht nach den Hierarchien der Geschmackspolizei, aber nach dem Orientierungssystem einer Kulturkritik, die weiß und wertschätzt, dass nichts vom Himmel fällt, sondern jede Hervorbringung, bewusst oder weniger bewusst, auf der Wirkung anderer Werke aufbaut. Das zu erkennen, erhöht den Genuss und befreit in einer besonderen Weise, weil sobald ein gewisses Verständnis für Zusammenhänge erreicht wurde, unterliegen Rezipient*innen nicht mehr ohnmächtig dem Bombardement des permanent angeblich Neuen. So und jetzt kommt’s: Mit den aktuellen Diskursvokabeln verhält es sich ähnlich. In den »Kulturkämpfen« tauchen modische Formulierungen auf und bleiben unerklärlich hängen. Da werden Personennamen aufgeblasen zu Begriffen. Da wird promotet, statt beschrieben. Da scheint ein Wort zu benennen, aber manipuliert doch nur. Genau dieses Dickicht versuchen wir zu lichten.

P wie Politik 

Das erscheint uns gerade deshalb so wichtig, weil heute Politik zunehmend so funktioniert. Es fängt banal damit an, dass Politik gerne Pop wäre, also auf Reichweite und Wirkung schielt und versucht, sämtliche Stückerl zu spielen, wenn es darum geht, Kund*innen-, ähhh Wähler*innenkontakt zu generieren. Spindoktor*innen und Kampagnenchefs bauen Parteien zu Werbeagenturen um und Volksvertreter*innen werden so zu TikTok-Stars. Wie dienlich dies der politischen Willensbildung ist, sei dahingestellt, aber das Problem liegt tiefer. Wenn Politik das tut, was sie tun soll, nämlich entscheiden, dann generiert sie unausweichlich Gegenwehr. Menschen sind mit der Entscheidung unzufrieden und wehren sich. Meist zeigt sich dann die bekannte Politikblockade, weil beide Lager etwa gleich stark sind und gemeinsam den »Stillstand« beklagen. Aber wenn die Auseinandersetzung auf das Feld der »Kulturkämpfe« wechselt, geht es viel besser. Plötzlich lassen sich Verhältnisse verändern, indem Diskurse verschoben, Einstellungen und Haltungen verlagert werden. Es ist wichtig, dies zu beobachten, zu benennen und – nach Möglichkeit – eine Übersicht zu geben. Deswegen baut skug an einem ABC der »Kulturkämpfe«.

D wie Debatte

Am 21. Mai 2026 möchten wir Interessierte in person zum Gespräch darüber einladen – beim skug Workshop ab 16:30 Uhr im RundPunkt 11. Wir möchten die Debatte solidarisch, niederschwellig und möglichst vielstimmig führen. Ein Teil des Problems rund um die »Kulturkämpfe« liegt nämlich darin, dass gezielt medial isolierte Personen in sie hineingezogen werden. Menschen, die, nachdem sie etwas ins Netz geschrieben haben, vielleicht zu oft gesagt bekamen, sie seien unfähig und ahnungslos. Und genau das wollen wir nicht machen. Polarisierung, Tribalisierung und Echokammern gibt es schon genug. Wir werden uns nicht die Begriffe an den Kopf schmeißen, sondern darüber reden und einander helfen, Dinge aufzudecken, die vielleicht noch unklar waren. 

R wie Rundpunkt 11

Genau das wollen wir am 21. Mai im RundPunkt 11 (ehemals Aktionsradius) versuchen. RundPunkt 11, schon länger Partnerorganisation von skug und auch der Schreibwerkstatt »off_script«, hat hier bereits mehrere Male Station gemacht und mit dem ABC der »Kulturkämpfe« sprechen wir eine ähnliche Einladung aus: Bringt uns eure Begriffe, Beobachtungen, Leid- und Lusterfahrungen der »Kulturkämpfe«. Wir möchten sie festhalten, auch und besonders gerne dann, wenn sie noch nicht zu 100 Prozent in journalistische Prosa gegossen wurden. Zum Auftakt sind schon ein paar Textbeispiele der Serie online und sollen über das Jahr hin anwachsen, bis wir uns Ende des Jahres erneut treffen und Bilanz ziehen. Vor Ort verfügen wir über eine kleine Zimmerbühne, auf der zwei Sessel stehen, und reden im Dialog mit bisherigen oder zukünftigen Autor*innen kurz und knackig über einen Begriff. Hier die ersten Fixstarter für unser Live-ABC:

  • K wie »Kulturkampf«: Natürlich müssen wir erst mal den Grundbegriff erklären und bemerken sogleich, dass dies ein höchst seltsames Tier ist, das sowohl an Land, als auch im Wasser lebt. Wer über »Kulturkämpfe« spricht, nimmt dabei einerseits Worte in den Mund, die selbst Teil dieses »Kulturkampfes« sind, andererseits aber eben auch Worte, die zu dessen Beschreibung gehören.
  • A wie alternative Medien: Sind die »Alternativen« heute alle rechts? Bzw. ist schon wem aufgefallen, wie kurios es ist, den Begriff »alternativ« den Rechten zu überlassen? Aber worin liegt der Sinn, ein Missverständnis zu erzeugen, wenn man sich z. B. Bündnis alternativer Medien nennt und keines der Medien was auf Vaterland gibt? Der Kampf, alternative Sichtweisen, Meinungen und Haltungen zu artikulieren, sollte nicht aus den Augen verloren werden. 
  • S wie Shitstorm: Ist der Shitstorm nicht der aktuell am besten angepasste Kommunikationskanal? Denn was nützt es, den »Standard« (willkürliches Beispiel) von vorne bis hinten durchzublättern und zu merken, da steht ja doch nichts drin, über das ich mich aufregen kann? Macht ja auch kaum noch wer, weshalb viele Zeitungen gerne Aufregungscontent liefern möchten. Aber sie hinken hinterher, denn warum nicht lieber gleich ins Netz springen und die nächste Empörungswelle reiten? 

G wie gemeinsam feiern

skug ist ein Community-Medium. Wir sind professionelle Journalist*innen, Amateure, Musiknerds und Menschen mit viel zu vielen Fragen. Wer bei uns mitmachen will, kann sich hier informieren und uns jederzeit eine E-Mail senden. Wir verlangen auch keinen Lebenslauf, sondern setzen uns direkt mit euren Ideen und Texten auseinander. Entsprechend ist unser Live-Serienauftakt eine Einladung, mitzumachen und eure jeweilige Expertise einzubringen. Wie niederschwellig hochtrabende Begriffe sein können, stellen wir bei unserem Workshop unter Beweis, wenn Beitragende und zukünftige Beitragende des ABCs »ihre« Begriffe und Anliegen diskutieren und später bei Getränken und belegten Broten informelle Gespräche führen. Das ABC der »Kulturkämpfe« ist eine Einladung zur Vernetzung und gegenseitigen Unterstützung. Angesichts dessen, was da im Netz abgeht, soll es Mut machen. Denn wie auch immer die Antworten auf »Kulturkämpfe« aussehen, sie werden auf der Kreativität und Begeisterung aufbauen, die Kunst und Kultur begleiten. Wir haben also allen Grund zum Feiern. Der Serien-Auftakt ist der erste Part einer zweiteiligen Veranstaltung. Weiter geht’s ab 19:30 Uhr beim Salon skug mit Konzerten von Ana Schena Ois Da Aundare und Club der Harmonie. Mehr Infos findet ihr hier.

Unser Diskursprogramm ist möglich dank einer Förderung der ERSTE Stiftung.

Link: https://skug.at/das-abc-der-kulturkaempfe/ 

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