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Cloe Landau

»Dreamhouse«

Standard Deviation

Was auf den ersten Blick (Cover) wirkt wie Affirmation, ist bei genauerem Hinsehen eine unmissverständliche Anweisung: »Don’t stand by the window, don’t dare to insult me / The rule of two walls, a body like plasticine« (Біля вікна ти не стій, мене ображати не смій / Правило двох стін, тіло як пластилін). Wir befinden uns im Kyiv des Jahres 2025 und Cloe Landau empfiehlt ihren Körper aus Plastilin als Überlebensstrategie. Das Album beginnt demnach auch gleich mit einer Breakcore-Bombe oder habe ich das nur geträumt? »It wasn’t an explosion, it was probably just fireworks« (Памʼятаєш як це було, це не вибухи це феєрверки напевно). Schnell wird auch klar, dass Landau ihren schwarzen Nagellack nicht trägt, um den Dreck unter ihren Fingernägeln zu verstecken. »Is this Wonderland or North Korea?« (це країна чудес чи північна Корея), fragt sie über einen staubtrocken Elektro-Locked-Groove, der nahtlos an die besten Zeiten der Chicks On Speed anknüpft; um nur ein paar Zeilen später zu antworten: »I will be gentle to you like North Korea« (буду ніжна до тебе як північна корея). In den insgesamt zehn Stücken zertrümmert Landau so einige Xiaomis und spielt »Counterstrike« zwischen Bambiland und Tschernobyl. Dabei mimen ihre minimalistisch instrumentierten Loops stellenweise die Finsterkeit früher UK-Drill-Produktionen, während andernorts verzerrte Wave-Gitarren die dunkle Atmosphäre tragen. Hier blitzen jedoch keine Springmesser in Jackentaschen auf, sondern es fliegen Dolche durch den nächtlichen Himmel Kyivs: »Daggers are flying at the city« (на місто летять кинджали). »Ice Baby« treibt die klaustrophobe Stimmung auf den Höhepunkt, die dreieinhalb Minuten lang geloopte Synth-Fläche wölbt sich bedrohlich über Landaus Erzählstimme: »I’ll come to your place today around six: wait for me, don’t go anywhere, you’ve been waiting for me for several years and here I am« (зайду до тебе сьогодні десь після шостої: ти мене почекай, ти нікуди не йди, ти чекав мене декілька років і ось я тут) stellt Landau klar, bevor sie von ihrer unheimlich grau-blau verfärbten Haut berichtet: »Every day I’ll get colder and fall apart« (з кождним днем я ставатиму ще холоднішою і розпадатимусь). Auch »Kitten Fur« beginnt in bester Drill-Manier mit einem Klavierloop, das lange alleine über einer Bassline schwebt, bevor ein Drumbreak in Zeitlupe dazustößt und Cloe Landau von Liebe und Glassplittern singt. Düster, aber eindringlich!

Home / Rezensionen

Text
Chris Hessle

Veröffentlichung
07.05.2026

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