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Sür Drōne

»T.I.T.S.«

Frontier Records / Geza X Records

Raymond Pettibon und die Musik: Der Name des großartigen Zeichners ist mit vielen ikonisch gewordenen Covers von Black Flag, Minutemen, Sonic Youth und etlichen anderen Bands verbunden, denen sein Artwork eine visuell unverkennbare Note verlieh. Selbst war Pettibon zwar auch ab und an musikalisch aktiv, allerdings nie in langlebigen Bands, sondern in temporären Projekten. Super Session nannte sich ein solches mit Künstlerfreund Mike Kelley. Auf deren einzigem Album »Torches and Standards« (1990) findet sich eine Urfassung von »Losers, Boozers and Heroes«. Den Text reichte Pettibon an Mike Watt, einen weiteren alten Freund, für dessen Firehose-Album »Flyin’ the Flannel« weiter. Beide Mikes hatten 1989 in einem trashigen Kurzfilm von Pettibon über die Anfänge von Punk in L.A. mitgespielt. Die einzige – von Angela Taffe gespielte – weibliche Rolle darin hieß interessanterweise »Goo«; so wie der später erschienene Klassiker von Sonic Youth. Und der Film hieß »Sir Drone«. Was für ein Zufall, dass nun am selben Tag Kim Gordons neues Soloalbum und das Debütalbum von Sür Drōne veröffentlicht wurden. Hinter der abweichenden Schreibweise stecken Pettibon und der ebenfalls in L.A. ansässige Konzeptkünstler Daniel Adams. »T.I.T.S.« steht angeblich für »The Inimitable Trillion Stars«. Unimitierbar wirkt freilich das Pettibon-Cover. Aber die Musik? Ziemlich unaufregender, durchschnittlicher Garage Rock, meistens wie aus der Zeit vor Punk. Das hat was von jungen Redd Kross, die sich erst ihre Instrumente aneignen. Die hörbar beschränkten Skills der Beteiligten (v. a. Adams an der Gitarre) lassen ganz passable Songs irgendwie unentschlossen zwischen fröhlich rockendem Dilettantismus und abgeklärter Westcoast Mellowness (v)erklingen. Wenigstens nie so richtig schlecht wie einst Hans Weigands musikalische Auftritte mit Pettibon vor Jahren in Wien. Am coolsten krachen Songs wie »Booty Girl« oder »Dream Team«, mit einer Sängerin, deren Name leider nicht aufscheint. Unklar bleibt auch, in welchem Zeitraum das Album entstanden ist. Bereits 1998 gab es unter dem Namen Sür Drone (wieder leicht veränderte Schreibweise) eine Mini-CD mit fünf Songs, die nun auch auf »T.I.T.S.« zu hören sind. Die Vinyl-Veröffentlichung teilen sich jedenfalls die alten Punk-Freund*innen Geza X und Lisa Fancher von Frontier Records. 

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