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Tashi Dorji

»Low Clouds Hang, This Land Is On Fire«

Drag City

Tashi Dorji ist bhutanischer Herkunft, lebt meist in den USA, ist oft unterwegs und seine nomadische Existenz prägt sein Gitarrenspiel. Nun ist es eine sehr komplexe Frage, inwiefern instrumentale Musik gesellschaftliche Verhältnisse bzw. die soziale Lage von Künstler*innen in der Welt zu reflektieren vermag? Mit abstrakter Kunst ist das ja, ganz allgemein gesprochen, die Krux: Woran erkenne ich, wie nehme ich wahr, was sie mir sagen will bzw. wovon sie erzählt oder erzählen könnte? So formuliert, ist das auch eine verkürzte Perspektive, vielleicht sogar die falsche Frage, aber es ergibt sich eben nicht automatisch ein Zusammenhang zwischen den ruhenden Gitarrenfiguren von Tashi Dorji und seiner Wahrnehmung der Unruhe in der Welt, auf die seine Musik im vorliegenden Fall bezogen ist. Eingespielt wurde das Album in wort- aber nicht gedankenloser Auseinandersetzung mit herrschenden zeitgenössischen politischen Bewegungen und den damit einhergehenden gegenwärtigen gesellschaftlichen Niedergangstendenzen (nicht nur in den USA). Der Albumtitel evoziert bzw. verstärkt diese Motive: Tief hängende Wolken (gesellschaftlich-politische Großwetterlage bzw. individuelle Gefühlslage), brennendes Land (Zerstörung). Das steht mehr oder weniger so in den Produktionsnotizen zum Album. Als sensibler Musiker zog sich Tashi Dorji daher zurück, um mit seinem Instrument zu verarbeiten, was im nahe geht. Gitarre spielen, überm Instrument meditieren: die säkulare Art, zu beten. Die so entstandene Musik lädt dann alle dazu ein, diesen Prozess während des Hörens nachzuvollziehen. So entsteht, vermittelt durch die Musik, vielleicht bzw. gewissermaßen eine Art stummer Dialog zwischen Tashi Dorji und seinem Publikum, eingedenk des Elends der Welt. So weit, so desolat. Nun wäre die Musik aber keine Kunst, wenn sie es nicht vermöchte, den finsteren Perspektiven zu trotzen und auch Zuversicht für eine hoffentlich bessere (auch schon nahe) Zukunft zu verleihen, denn die Musik ist zart und schön und weist all jene Qualitäten auf, die es braucht, um an den gesellschaftlichen Härten nicht ebenso zu verhärten und in der Folge einzugehen. Will sagen: Musik wie die von Tashi Dorji kann die Seele nähren, den Geist beruhigen, helfen, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren und die Nerven nicht zu verlieren. Jenseits all dieser bedenkenswerten Aspekte noch eine Abkürzung für die Eingeweihten: Wer auf eine neue Loren-Connors-Platte wartet, die Loren Connors so vielleicht nicht mehr abliefern wird, bitteschön!

Home / Rezensionen

Text
Holger Adam

Veröffentlichung
24.02.2026

Schlagwörter

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