Jan Wagner © Roger Odermatt

360° Ambient-Beschallung im Planetarium Berlin

Jan Wagner und Tobias Preisig bespielten am Sonntag, dem 9. Februar 2020 das Berliner Planetarium mit 360°-Sound, begleitet von einer Sternenschau und aufwändig gerenderten Visuals im Rahmen von Spherea, der Kollaboration zwischen dem Spatial Media Lab und der Stiftung Planetarium Berlin.

Demnächst erscheint Jan Wagners neues Album »Kapitel«, doch zunächst taucht er in eine etwas andere Space Night. Bekannt sind ja diese deepen Views in den Weltraum oder auf die Erde, üblicherweise untermalt mit elektronischer Musik aus dem Techno-Bereich, gerne mit einem Ambient-Einschlag. Dasselbe, nur anders, bieten nun Tobias Preisig und Jan Wagner, allerdings nicht Techno-basiert, sondern in Richtung Moderne Klassik, Experimental (Tobias Preisig). Im Falle von Jan Wagner sind es die ruhigen, minimalistischen Tastentöne, die sich langsam intensivieren und hier und da von einfachen Beats oder Lyrics von Rosa Anschütz unterstützt werden. Bei beiden wird mit einer Progression gespielt, wie man sie vielleicht aus dem Post-Rock kennt. Und das funktioniert wie erwartbar sehr gut im Planetarium.

Jan Wagner © Roger Odermatt

In einer vollkommen düsteren Halbkugel schwingen die repetitiven Violin-Klänge einen langsam in eine andächtige Stimmung. Wie auch beim Anblick des Abendhimmels schwankt das Gemüt zwischen leichter Furcht und dem Gefühl von Erhabenheit hin und her, und das ist auch der Reiz daran. Blickt man ins Universum hinein und folgt den Bahnen der Planeten, gerät die Musik mal in den Hintergrund und untermalt bloß das Visuelle. Dann zieht sie einen jedoch wieder aus der Betrachtung heraus und fordert höchste Aufmerksamkeit von den Hörenden. Und im nächsten Moment verschmilzt alles. Es funktioniert außerordentlich gut, dieses Spiel zwischen Visuellem und Auditiven. Der liebe Gott hätte sicher gewollt, dass das Universum genau so beschallt wird, hätte er die Beschaffenheit des Weltraums dementsprechend gestaltet.

Jan Wagner © Roger Odermatt

In Proben, die sich über Monate hinzogen, und komplexer Arbeit am 360°-Sound schuf das Team eine Show, wie sie wohl nur selten gezeigt wird, weil bloß an wenigen Orten so etwas möglich ist. Trotzdem sprach man sich für eine Fortsetzung dieser Reihe aus. Man kann nur hoffen, dass den guten Menschen die ökonomischen Grundlagen geschaffen werden, diese prima Idee noch weiter auszuarbeiten und auszuführen. Es hat was von altem Kino mit Live-Musik, nur halt ziemlich Next Level.

Links:
https://janwagner.bandcamp.com/
https://tobiaspreisig.bandcamp.com/