»Your Head's In The Clouds«

Your head’s in the clouds
I told you
I was nothing but a heartbeat 

So der Refrain der Nummer »Clouds« auf dem Albumdebüt »Beekeeper« des Duos Rangleklods, dessen Bandname weder Bedeutung noch Aussprache festlegt.

Entsprechend klingt ihr Sound: Liebe zum Detail, Tanzbarkeit, ausdrucksstarke und gefühlstiefe Sounds mit der Möglichkeit, ihr Musikuniversum zu erforschen. Genres werden prinzipiell abgelehnt. skug traf die beiden Dänen zum Interview.

Rangleklods sind Esben Anderson und Pernille Smith-Sivertsen. Aber auf die Frage, wer denn Ranglekods sei, meint Anderson: »Das sind eben nicht nur Pernille und ich als Individuen – es geht vielmehr darum, die bestmögliche Musik, die wir produzieren können, zu erschaffen.« Man liest von Post-Dubsteb, melancholischen nordischen Soundscapes, märchenhaften Melodien mit theatralischen Trommeln und elektronischen Beats, charismatisch tiefen Vocals, Elektro-Singer/Songwriter. »Eclective Music« hat es Anderson einmal genannt.

Nach ihrem Konzert beim Electronic Beats beim Spring Festival in Graz sitzen wir mit Rangleklods am Parkplatz hinter der Helmut-List-Halle, umgeben von der Geräuschkulisse eines Kühlaggregates, der frischen Sommerbrise, vorbeifahrender Güterzüge und Stapler.

Als Wurzeln geben die beiden die frühen Sechziger und Siebziger an: »großes Songwriting«. So etwa David Bowie, nicht nur wegen seiner musikalischen, sondern auch performativen Herangehensweisen und Darstellungsformen. The Doors, dazu James Holden und The Field beeinflussen ihre Arbeit. »Doch den größten Einfluss auf unsere Musik hat das, was uns umgibt«, meint Anderson. »Vor allem die visuellen Elemente und der tatsächliche Sound. Visuell meint hierbei das, was man tatsächlich mit seinen eigenen Augen sieht – die Realität.«

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 Foto: Fanny Bostinius

»Beekeeper«

Passend zur Bienen-Debatte in Österreich vor einiger Zeit nennt sich ihr Debütalbum »Beekeeper« und als Logo haben sich Rangleklods eine Bienenwabe ausgesucht. Anderson dazu: »Da mein Vater Hobby-Bienenzüchter ist und ich ihm als Junge meistens half, kam ich auf die Idee, das Album so zu nennen. Der ausschlaggebende Grund ist aber eher die Arbeitsweise der Bienen. Beobachtet man sie, erscheint es anfangs, als herrsche das totale Chaos. Nimmt man sich Zeit, kann man alsbald die Muster erkennen, denen das Bienenvolk folgt. So erging es uns mit dem Album. Wir wussten zuerst nicht genau, wohin wir eigentlich wollten, aber am Ende fügte es sich zu einem Ganzen zusammen. Ich denke, den Hörern wird es genauso gehen. Je mehr Zeit sie der Musik widmen, umso verständlicher wird sie.«

Ihr Konzert in der gut gefüllten List-Halle hatten sie mit der neuen Single »Control« eröffnet. Anderson erzählt: »Wir beschäftigten uns mit den Vorkommnissen in unserem Umfeld letzten Herbst und Winter. Einigen unserer Freunde sind Schicksalsschläge widerfahren, die schließlich auch uns eingeholt haben. In dem Teil des Liedes, wo wir zueinander singen, geht es darum, dass das Leben manchmal nicht so läuft, wie es soll. Schlussendlich hilft es aber nur, sich darauf zu konzentrieren, die Kontrolle nicht zu verlieren. Der, nennen wir es Extra-Chorus: »It’s not you / it’s not me« erinnert daran, dass man die Dinge manchmal einfach nicht ändern kann. Man muss versuchen weiter zu machen.«

Smith-Sivertsen wirft ein, dass es zwar ein etwas pessimistischer Song ist, sie aber nicht wollen, dass sich die Leute schlecht fühlen, wenn sie die Musik hören. Am Ende geht es darum, stark zu bleiben, um denjenigen, die in harten Zeiten Unterstützung brauchen, ein Beistand zu sein. Rangleklods machen zwar gerne bedrückende Lieder, aber immer sind derart reinigende Elemente miteingewoben, dass man sich nach dem Hören ein wenig frischer, vielleicht sogar quasi weiser fühlt. Aus der Zeile »It’s not you / it’s not me« kann man also auch einigen Optimismus heraushören.

Klanglich fallen bei »Control« als Erstes die substanzhaften Stimmen auf: elfenhafter Gesang, überlagerte Vocals mit viel Hall für eine beeindruckende Raumtiefe, ein rhythmischer E-Bass, Post-Dubstep-Perkussion, Pizzicato-Streicher, eingängige Synth-Sounds, Aufblitzen von Harfen und gegen Ende eine durch Effekte angereicherte, melodische E-Gitarre. Zusammengenommen: unaufdringlich eindringlicher Elektro-Pop auf Nordisch.

 

 

It was done before and after us

Stark von Zufällen beeinflusst, ändert sich die Produktionsweise von Rangleklods mit jedem Song. Sie beginnen mit einem inspirierenden Element, mal ist es eine Kick-Drum, dann wieder ein Synthesizer-Sound, eine kurze Melodie oder ein Vokaleffekt. Damit wird praktisch so lange herumprobiert, bis ein Entwurf entsteht, der schließlich zu einem Track wird.

Smith-Sivertsen macht klar: »Das Schöne am Komponieren mit dem Computer ist, dass man während des Entstehens die Kunst des Copy and Paste im Arbeitsprozess ausleben kann. Das finde ich sehr anregend. Man kann sich einem bestimmten Part hingeben, ohne dass es schon ein ganzer Song ist. Und Material, das eigentlich für den einen Track gedacht war, in einen anderen einfügen. Wir haben keinen vorgefertigten Plan und kontrollieren unsere Produktionsprozesse auch nicht. Manchmal haben wir eher das Gefühl, dass die Songs uns kontrollieren.« Anderson fügt hinzu: »Die meisten Melodien entstehen aus einem zehn bis zwanzig Sekunden langen Loop, an dem wir so lange herumbasteln, bis daraus etwas wird, das uns gefällt. Das nehmen wir dann auf und am Ende haben wir ein paar Lines, aus denen ein ganzer Song entsteht.«

 

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 Foto: Patrick Klampfl

Verwendet werden dafür Instrumente, Software-Tools, Synthesizer und alles, was ihnen sonst noch in die Finger kommt. Denn schließlich geht es Rangleklods ja nicht darum, was verwendet wird, sondern welcher Sound aus den Lautsprechern kommt. Eine Diskussion über Analog oder Digital lenkt da nur vom eigentlichen Thema — nämlich Musik — ab.

Anderson und Smith-Sivertsen studierten an der Universität im dänischen Aarhus unter anderem Kultur und Ästhetik. Das hat auf die Live-Performance entscheidenden Einfluss. So arbeiten sie verstärkt mit einfarbigem, dezent eingesetztem Licht, das den Sound und die dadurch entstehenden Emotionen verstärkt und eine mystische Atmosphäre kreiert, um so einen Zugang zum Publikum zu schaffen.

Sie haben keine — wie sie es ausdrücken — »Angst« davor, einen Popsong zu schreiben, weil es keine Pläne vor der Produktion eines Tracks gibt. Ein Popsong müsste auf die gleiche natürliche Weise entstehen wie all ihre Nummern. Dass Rangleklods von der Musikindustrie und ihrer Hitproduktionsmaschine eingeholt werden könnte, befürchten sie nicht. Materielle Dinge sind ihnen nicht wirklich ein Anliegen, lieber möchten sie ein dezentes Leben führen. Sollte es bedeuten, dass sie neben der Musik noch arbeiten müssen, dann ist das auch in Ordnung. »Wenn man Musik für ein größeres Publikum macht, muss man Kompromisse eingehen. Das ist ein schmaler Grat. Kompromisse sollte man nur mit sich selbst eingehen und die eigenen Differenzen in sich selbst überwinden«, verdeutlicht Anderson.

Auf die Frage, welche Emotionen ihrer Meinung nach ihren musikalischen Stil beschreiben würden, antworten die beiden: »Thoughtful, physical, something like doublesided or two-faced, warm and cold.«

 

Rangleklods: »Beekeeper« (Schoenwetter Rec./Inkmusic)