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Dass Dota, noch immer eher bekannt als »Die Kleingeldprinzessin«, als die sie vor mittlerweile zehn Jahren ihren stillen Triumphzug durch Unistädte und Szeneviertel begann, besonders den Glitzerjungs und Herzmädchen, die es schon für Poesie halten, wenn einer beim Poetry Slam keine schlechten Witze über seine Ex erzählt, viel zu geben scheint, kann man ihr allenfalls halb anlasten. Dass sie mit ihrer Dauerpräsenz auf Demos und Kiezfesten mehr und mehr eine Konstantin-Wecker-hafte Gestalt für die deutschsprachige Post-Sozialdemokratie-Linke wird, schon eher – aber vielleicht braucht es so eine ja gerade eben doch auch. Ihrer Musik hat es jedenfalls kaum geschadet, dass sie sich nicht mehr länger glaubwürdig als in den Tag hinein straßenmusizierendes Twenty-Something-Girl inszenieren kann. Man merkt’s ihren Auftritten an, ihren Platten aber noch um einiges mehr: Dota Kehr spielt nicht mehr einfach ihre noch immer wundersamen Lieder einmal für die Konserve ein, sondern lässt sie los, entlässt sie aus der festen Bindung an ihre Präsenz als Performerin und gibt ihnen ein Eigenleben, Gewicht und Größe. Auf ihrem Solo-Album »Wo Soll Ich Suchen« bedeutet das vor allem, dass ihre zwischen Kitsch, Popularpoesie, integrativem Insiderjoke, genauer Alltagsbeobachtung, Agitprop light und dann doch immer wieder alles rettender, herzschmelzender Zeile gewebten Songs nun neben dem Trademark-Sound Akustikgitarre plus Jazz/Bossa mit sensiblen Arrangements für Bläser und Streicher ausgemalt sind – Referenzen etwa die Locas In Love oder, längst vergessen, die großartigen Mobilé. Im Zusammenspiel mit den Texten, die, scheint mir, wieder verdrehter, wunderlicher geworden, aber noch immer merkwürdig wahr sind, ergibt sich hier das Bild, dass Dota mittlerweile tatsächlich – ob man sie nun mag oder nicht (vgl. Tocotronic, »Ich Verabscheue Euch Wegen Eurer Kleinkunst Zutiefst« et al.) – und trotz der grundsätzlichen Gestrigkeit und Konservativität ihrer Liedermacher-Ästhetik, eine dieser Künstlerinnen reiner Zeitgenossenschaft geworden ist, die ein jedes Heute, zumal ein jedes des Pop, braucht. 

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Text
Steffen Greiner

Veröffentlichung
18.09.2013

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