»Wipe Out«

Die österreichsiche Electro/Rock-Formation Wipeout hat eine neue Mini-CD auf den Markt geworfen. Netterweise sind sie für ihr Publikum nächtelang in sämtlichen Discotheken schweißtreibend abgehangen um ein Stück Musik aufzunehmen, das sich nicht im mindesten um Vorschreibungen diverser Musikstil-Formate kümmert. Es besteht Hoffnung für die »Tops of the Pop«.

Nach »Saliva« und ihren Fleddereien in den tiefen Country’n’Western-Sümpfen haben Didi Bruckmayr, Fadi Dorninger und Didi Neidhart zu einem neuen Schlag gegen systemimmanente Ûberkommenheiten ausgeholt und sich an den Größen des 80er Wave/Electro derart vergangen, dass persönliche juvenile Psychodramen genauso auf Heilung hoffen können wie Soft Cell und Nitzer Ebb auf endgültige Inkorporation.
Auf der schlicht »Wipe Out« (Misrouted/Hoanzl) betitelten Mini-CD begegnen sich Rock und Techno, gekreuzt mit Disco-Bastarden und aktuellen Ambient-Dub-Altlasten. Einsatzgebiet: Go-Go-Bars nach dem x-ten Whiskey kurz vor Sonnenaufgang. Würde »From Dusk Till Dawn« in Las Vegas spielen oder im Studio 54, die Local-Hero-Band hieße Wipeout.
Aber ganz so einfach lassen sie sich nicht über den Techno-/Rockkamm scheren. Auch wenn Bruckmayr selten melodiöser klang, bleiben immer Hintertüren offen, die zu Schreckenskammern geleiten, die angefüllt sind mit medialem und menschlichem Junk, trivialen Peinlichkeiten und Entgleisungen aller Art. Dorningers Synthis verleiten einmal mehr zum Arschwackeln; nein, zum wirklichen Abtanzen. Es wäre zu kurz gegriffen, verbrämte 80er-Jahre-Referenzpunkte ausfindig machen zu wollen, aber wenn Electro so rockt, wen kümmert’s. Dass das so ist, dafür ist auch Neidhart der schwarze Peter zuzuschieben. Zwar sind die »electronic guitar modulations« nicht allzeit als solche auffindbar, wären sie aber nicht da, das »Konzept« Wipeout würde wahrscheinlich genauso wenig funktionieren wie ohne Gesang.
Es scheint so, als ob Wipeout letztlich mit der »harten« Vergangenheit abgeschlossen haben um sich in sophisticated Electro-Pop(!)-Terrains anzusiedeln. Wenn sie so weitermachen, müssen sie ein Video für MTV produzieren und können sich in absehbarer Zeit die Klospülungen vergolden lassen. Und sie sind die einzigen, denen man es nicht übel nimmt, wenn sie über »we’re the victims of entertainment industry« herziehen.