Ruedi Häusermann

»Wetterminiaturen«

Col Legno

Ah ja, das Darbo-Axiom. Es gibt CDs, für die das uneingeschränkt, und CDs, für die das gar nicht gilt. Nicht immer ist drinnen, was draufsteht. Und manchmal lässt es sich einfach nicht sagen. Ob etwa tatsächlich »Wetterminiaturen« in der CD des Schweizer Komponisten und Theatermachers Ruedi Häusermann enthalten sind, ist strittig, denn wie zur Hölle klingen Wetterminiaturen? Aber der Untertitel enthält einen eindeutigen Hint: »für vier wohlpräparierte Einhandklaviere«. Da haben wir sie, die Himbeermarmelade, die nur so und nicht anders schmecken kann. Wo auch immer von präparierten Klavieren die Rede ist, haben wir es mit mechanisch scheppernden Klaviertönen zu tun, die manchmal in einem prasselnden Pizzicato-See münden (aka wirres cembaloähnliches Gehämmer), manchmal wieder mit viereckiger Uhrwerkspräzision quengeln oder doch hin und wieder skurrile Romantik in neurotisch-gedämpften Pianofarben verbreiten. All das ist in »Wetterminiaturen« zwar auch zu hören, aber Häusermann vermag aus diesen Ingredienzien weitaus mehr und mitunter durchaus überraschende Klangfacetten hervorzuzaubern. Was auch der cleveren Inszenierung der vier Klaviere als vierstimmiges Gefüge (wie etwa ein Streichquartett) zu verdanken ist. Vermutlich aber noch mehr dem Umstand, dass die holprig-sperrige Klangwelt, die Häusermann hier schafft, über weite Strecken eine sehr stimmige, individuelle Harmonik besitzt. Ergo: Experimentalmusik als tongewordene Charakterstudie. Was für mich persönlich zwar rein gar nichts mit dem Wetter zu tun hat, trotzdem aber eine wunderbare CD ergibt.