Robert Fripp

»the wine of silence«

Galileo

Was der allgemein gebildeten Musikhörerschaft kürzlich zu Ohren gekommen war, und worauf Fans schon seit langer Zeit warten, ist nun endlich um 16,99 ?? käuflich erwerbbare Realität: das neue Album von Robert Fripp ist eine Orchesterplatte! Darunter darf man sich beim stets querdenkenden Gitarristen Fripp freilich keine Megalomanie à la Deep Purple oder gar eine orchestrierte Rockoper erwarten. Der Brite geht es angenehmerweise sehr behutsam an. »The Wine Of Silence« liegen Songs aus Fripps »Soundscapes«-Arbeiten der mittleren 1990er Jahre zugrunde. In einem langwierigen Prozess wurden diese zuerst vom klassischen Gitarristen Bert Lams transkribiert, anschlie&szligend für die orchestrale Aufführung von Andrew Keeling umarrangiert und schlie&szliglich von David Singleton produziert. Man spürt, dass diese drei Herren langjährige Fripp-Vertraute sind, näherten sie sich den Vorlagen doch stets auf individuelle Art und Weise, ohne allerdings eine gesunde Zurückhaltung vermissen zu lassen. Die sechs Stücke wurden eingespielt vom unauffälligen, aber sehr guten Metropole Orkest aus dem niederländischen Hilversum. Müssen ja nicht immer die London Philharmonics sein. Fripp war zwar au&szliger dem Mastering für wenig anderes zuständig und ist nicht einmal auf dem Album zu hören, dessen Wert wird dadurch allerdings nicht geschmälert. Die Musik auf »The Wine Of Silence« ist auch ohne sein Zutun zutiefst berührend. Legato vorgetragene Streicherteppiche entwickeln sich in imposanten Crescendi zu Klangmonumenten, die oft ebenso schnell wieder abflauen, wie sie sich aufgebaut haben. Die Stücke »Miserere Mei« und »Requiescat« wurden mit Chorgesängen im wahrsten Sinne des Wortes bereichert. Zu bemängeln wäre am ehesten noch die etwas einseitig auf die Violinen ausgerichtete Partitur. Stärkerer Einsatz der Bläsersätze hätte »The Wine Of Silence« gut getan und sein Farbspektrum erweitert. Dennoch: Wer die ruhige und introvertierte Klassik eines Arvo Pärt oder Henryk Górecki mag, und nicht die Nase rümpft, wenn Rocker sich in derlei Gefilde vorwagen, dem sei »The Wine Of Silence« wärmstens ans Herz gelegt.